Deutschlandhalle : Die allerletzte Pirouette

Am Donnerstag macht die Deutschlandhalle dicht. Zuletzt wurde sie nur noch von Eisläufern genutzt.

Rainer W. During
Deutschlandhalle
Tanzender Abschied. Die Kinder trainierten am Dienstag zum letzten Mal an der Jafféstraße. -Foto: Uwe Steinert

Erst waren sie aus der Eissporthalle vertrieben worden, gestern drehten sie in der Deutschlandhalle ihre letzten Runden. Jeden Dienstagmittag trafen sich hier Senioren aus ganz Berlin, um kostenlos auf dem Eis zu laufen. „Wir werden überall nur abgewickelt“, klagte Doris Lau aus Tempelhof.

Am Donnerstag wird die traditionsreiche Mehrzweckhalle endgültig geschlossen, so sieht es ein Senatsbeschluss vor. Die Eissportler erhalten einen Neubau an der Glockenturmstraße. Ob da auch Platz für die Hobbysportler bleibt, ist abzuwarten. Für die Senioren, die sich seit Jahren wöchentlich aufs Eis wagten, steht noch nicht fest, ob und wo sie sich wiedertreffen werden. Für sie ging es nicht nur um das Gemeinschaftserlebnis. Für die bis zu 84 Jahre alten Teilnehmer war auch wichtig, dass sie hier gemächlich ihre Kreise drehen konnten, ohne dass ihnen schnellere jugendliche Mitläufer ins Gehege kamen, so erzählte Klaus Berchner aus Spandau.

Nach den Senioren kamen gestern die Kinder vom SC Charlottenburg zum letzten Mal aufs Eis. „Alle Alternativen sind weit entfernt, und feste Laufzeiten gibt es nur für den Leistungssport“, sagt Sportwartin Sandra Henrich. Und im Sommer war die Deutschlandhalle die einzige Möglichkeit, überhaupt zu laufen. Auch die Knaben der ECC Preussen Juniors nahmen gestern Abend Abschied von ihrer Spielstätte, mit dem vorletzten Meisterschaftsspiel der Saison. Der Verein sieht seine Nachwuchsarbeit gefährdet.

Nicht nur die Nutzer wollen am Donnerstag ab 15.30 Uhr vor der Halle gegen die Schließung demonstrieren. Auch die CDU Westend hat zum Protest aufgerufen. Kurios: Das Landesdenkmalamt hat dem Abriss zugestimmt, zuvor aber die für eine zur Weiternutzung notwendige Entkernung mit Hinweis auf den Denkmalschutz abgelehnt. Bei einem Abbau der Tribünen wären ohnehin auch die Zwischenwände zum Rundgang eingestürzt, sagt der Sprecher der Messe Berlin, Michael Hofer. So hätte ein Umbau zur Eventhalle 120 Millionen Euro für eine verbleibende Nutzfläche von nur 3000 Quadratmetern bedeutet.

In der Vergangenheit teilten sich die Messe als Betreiber und der Senat das jährliche Defizit von rund drei bis vier Millionen Euro, so Hofer. Jetzt soll die Deutschlandhalle für 3,5 Millionen Euro Abrisskosten verschwinden und dem rund 45 Millionen Euro teuren Neubau einer Messehalle Platz machen. Bei den Senioren gab es gestern Sekt zum Abschied und ein Dankeschön ans Hallenpersonal. Morgen will man ebenfalls für die Sportstätte demonstrieren. Rainer W. During

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