Berlin : Deutschlandhalle: Mit der Eiszeit in die Zukunft

Christian van Lessen

In kaltem Weiß strahlt der Hallenboden ins Rund der Arena, die frisch gestrichene Decke und die Scheinwerfer strahlen zurück. Türkisfarben fallen die Umkleidezonen der Mannschaftskabinen auf, silbern glänzen die neuen Stehtribünen auf der Kopfseite. Die Deutschlandhalle ist die alte geblieben - und doch nicht wiederzuerkennen.

Seit gestern ist sie nach monatelangem Umbau aus einem mehr als dreieinhalbjährigem Dornröschenschlaf erwacht und hell wie nie zuvor. Die "Eiszeit" hat sie zum Leben erweckt. Der traditionsreiche Veranstaltungsort soll übergangsweise für den Eissport genutzt werden, bis eine multifunktionale, privat finanzierte Großhalle frühestens 2003"/"2004 in Betrieb gehen kann. Doch deren Baubeginn - in Siemensstadt oder am Ostbahnhof - steht noch in den Sternen.

Wirtschaftssenatorin Juliane Freifrau von Friesen sprach bei der Eröffnung der neuen alten Arena in Eichkamp viel von Übergangszeit und Interimslösung, vom Eispalast auf Zeit - so, als wäre in drei Jahren mit der Halle wieder Schluss. Die Messe Berlin aber, die auf die Deutschlandhalle lange Zeit nicht gut zu sprechen war und einen Abriss befürwortete, hat das alte Haus offenbar wieder ins Herz geschlossen. Denn der Abriss der alten Eissporthalle nebenan ermöglicht den langersehnten neuen Südeingang des Messegeländes, und die Deutschlandhalle vermittelt dem künftigen Portal sogar eine räumliche Fassung. Immerhin gab das Unternehmen, wie Messe-Geschäftsführer Christian Göke sagte, mit acht Millionen Mark den Löwenanteil der Umbaukosten für die Deutschlandhalle aus. Die Senatsverwaltung für Sport steuerte 1,3 Millionen bei. Sollte nun die Übergangszeit als Eissporthalle irgendwann enden, will die Messe das Haus in ihr Veranstaltungskonzept einbeziehen, etwa als Festhalle, für TV-Übertragungen und Konzerte. Eine erneute Umgestaltung gilt als unproblematisch.

Aber die Architekten Peter Herms und Michael Arnold hatten beim Umbau-Entwurf insgeheim nicht an ein Provisorium gedacht. "Das hält 30 Jahre", versicherte Herms gestern, und verwies auf die zahlreichen inneren Werte, die auf den ersten Blick nicht sichtbar sind. Ein neues kleines Technikhaus entstand, in der einstigen Anreit-Halle wurde eine Trainingseisfläche eingerichtet. Wie Bauteile wurden die ebenerdigen Umkleidezonen und Sanitärräume eingesetzt, oder auch die metallenen Stehtribünen. Die Eisfläche kann sogar schnell mit Holz verkleidet und zum Tanzparkett werden, wenn es denn gewünscht ist. Reitturniere sind aber in der neuen Deutschlandhalle wirklich nicht mehr möglich. Andererseits lässt sich das Haus durch die "modulare" Technik, mit der jetzt umgebaut worden ist, auch wieder schnell in eine normale Veranstaltungshalle rückverwandeln.

Aber davon kann vorerst keine Rede sein. Die Wirtschaftssenatorin sprach von einem Eissportstandort, der allen Anforderungen gerecht wird. Mit 7790 Plätzen bietet die neue Arena 1350 mehr als die fast völlig abgerissene Eissporthalle nebenan.

Dort ensteht der Messe-Südeingang, mit dessen Bauarbeiten nach der Internationalen Funkausstellung Anfang September begonnen werden soll. Die Pläne stammen vom Architektenbüro Ungers, das auch die neuen Messehallen an der Jafféstraße entworfen hatte. Das Südportal wird auf einer tiefer liegenden Ebene errichtet, die über Stufen mit der Deutschlandhalle verbunden ist. Mit der tiefen Ebene sollen auch die Hallen 1 bis 6 besser als bisher erschlossen werden, deren Untergeschosse gelten bislang als schwer vermietbar. In dem halbrunden, etwa 4000 Quadratmeter großen Empfangsgebäude, das direkt in die Hallen mündet, sollen Service-Flächen für Aussteller und Besucher sowie ein großzügig angelegtes Foyer mit Garderoben und ein Wartebereich eingerichtet werden. Vor dem Rundbau erstreckt sich ein 20 000 Quadratmeter großer Platz als Taxi- und Busvorfahrt, der S-Bahnhof ist nur ein paar Schritte entfernt.

Und die Deutschlandhalle, die bisher etwas abseits vom Messegelände stand, wird mit dem neuen Eingang mehr ins Blickfeld rücken.

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