Deutschlandhalle : Vor dem letzten Stündlein

Ende des Monats schließt die Deutschlandhalle – vermutlich für immer. Der Abrissantrag ist gestellt.

Christian van Lessen
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Sinkender Veranstaltungsdampfer. Die Charlottenburger Deutschlandhalle steht nach einer über 70-jährigen Geschichte vor dem...

Der Deutschlandhalle schlägt bald das letzte Stündlein. In drei Wochen schließen sich die Pforten an der Jafféstraße – und es sieht nicht so aus, als ob sie sich jemals wieder für Veranstaltungen öffnen würden. Die Messe Berlin hat, „autorisiert“ von der Senatswirtschaftsverwaltung als Eigentümerin, beim Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf den Abrissantrag gestellt. Die Messe wünscht sich an diesem Ort eine neue Messehalle.

Noch bis Ende des Monats können Eissportler die Deutschlandhalle nutzen, die nächste Saison werden sie nach Auskunft der Senatsverwaltung für Inneres und Sport am Erika-Heß-Stadion in Wedding verbringen. Dort soll auf dem Parkplatz eine provisorische Traglufthalle errichtet werden, eine Übergangslösung, bis die neue Eissporthalle an der Glockenturmstraße fertig ist – in zwei Jahren.

Über den Antrag für einen Abriss der Deutschlandhalle – die Kosten dafür betragen mindestens 4,5 Millionen Euro – muss nun das Bezirksamt entscheiden, das die Halle erhaltenswert findet. Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen (SPD) sagte am Montag, der Antrag werde ordnungsgemäß bearbeitet. „Wir wollen die Zeit nutzen, um einen Nichtabriss zu erreichen“. Der Bezirk hatte angeboten, das Gebäude bis zum Ende der Eissportsaison 2011 in eigener Regie weiter zu betreiben – wenn er das Geld dafür vom Senat erhalte, wie zuvor die Messe. Das lehnte die Senatsverwaltung für Wirtschaft ab. Für die Erhaltung der Deutschlandhalle hatten sich zuvor unter anderem der Eishockeyverein ECC Preußen als Hauptmieter, der Verein „Denk mal an Berlin“ und der Architekten- und Ingenieurverein ausgesprochen. Es gebe keinen überzeugenden Grund, das Baudenkmal abzureißen. Mit einem Einbau von hydraulischen Ebenen ließen sich bis zu 12 000 Quadratmeter zusätzliche Ausstellungsfläche für die Messe schaffen.

Messesprecher Michael Hofer sagte dagegen am Montag, die Deutschlandhalle lasse sich für Messezwecke nicht umbauen, man könne letztlich nur 25 Prozent ihrer bisherigen Fläche nutzen. Seit elf Jahren stehe sie – abgesehen von der Eissportnutzung – leer, und diese Kosten ließen sich auf gut 22 Millionen Euro summieren. „Ist das nicht rausgeschmissenes Geld?“ Für zehn Millionen Euro könne man aber schon eine neue Halle bauen. Eine „reine“ Messehalle mit einer Fläche von 15 000 bis 20 000 Quadratmetern sei nötig, um zusätzliche provisorische Bauten, etwa für die Internationale Funkausstellung oder die ITB, zu vermeiden.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung teilte als obere Denkmalschutzbehörde mit, ihrer Ansicht nach könne die Deutschlandhalle abgerissen werden. Nachweisbar sei ihr Weiterbetrieb wirtschaftlich nicht zu vertreten, so dass auch der Denkmalschutz nicht mehr greife. Aber ob der Abriss genehmigt wird, darüber muss erst einmal das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf befinden. Der Senat hatte mehrmals geäußert, er erwarte den Abriss noch in diesem Jahr. Die Wirtschaftsverwaltung wollte sich am Montag zu Terminen nicht äußern. 

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