• Deutschlands Barkeeper kämpfen um den Titel in Berlin: Feuchte Hände, fröhlicher Abgang

Deutschlands Barkeeper kämpfen um den Titel in Berlin : Feuchte Hände, fröhlicher Abgang

Einkaufen im KaDeWe, Mixen gegen die Uhr, Trinken im Monbijou: Die besten Bartender Deutschlands trafen sich in Berlin.

Yasmin Polat
Shaker-Qualitäten. Gewonnen hat Noureddine Elmoussaoui aus Frankfurt am Main. Er darf zum Weltfinale im September nach Miami fliegen.
Shaker-Qualitäten. Gewonnen hat Noureddine Elmoussaoui aus Frankfurt am Main. Er darf zum Weltfinale im September nach Miami...Foto: promo

„Los, gib Vollgas jetzt, du hast nur noch 30 Sekunden!“ Um die Bar auf der Dachterrasse des Monbijou Hotels in Mitte sind etwa 15 Menschen verteilt. Sie alle beobachten gespannt, ob der Barkeeper Tim Anders es schafft, innerhalb von acht Minuten sechs Drinks zu zaubern. Die Uhr an der Wand tickt, es läuft Charts-Musik, die Hände des Barkeepers zittern ein wenig am Shaker. Geschafft, auf die Sekunde genau stehen ein Cosmopolitan und fünf weitere Drinks vor dem Bartender, die „Need for Speed Challenge“ ist bestanden.

Es ist die zweite von fünf Herausforderungen, die die 17 Teilnehmer des diesjährigen World-Class-Bartender-Wettbewerbs meistern müssen. Bei dem zweitägigen Wettbewerb messen sich jährlich Barkeeper aus ganz Deutschland, der Gewinner bekommt nicht nur einen Pokal und darf das ganze Jahr als Botschafter auftreten, er erhält vor allem die Einladung zum Weltfinale in Miami im September.

Die Atmosphäre ähnelt einer Führerscheinprüfung

Ausgerichtet wird der Bar-Kampf vom weltweit agierenden Spirituosenhersteller Diageo. Die Teilnehmer mussten sich mit einem selbstkreierten Rezept und einer Promo-Kampagne für den Drink bewerben. Sechs Juroren aus der Bar- und Bloggerszene prüfen die Bartender nun auf Gastfreundlichkeit, Entertainer-Qualitäten und Kreativität und Sauberkeit beim Mixen. Bei der „Hospitality Challenge“ beispielsweise kommt der Teilnehmer in eine für ihn fremde Bar und muss zehn Fehler – von Papier auf dem Toilettenboden bis hin zum Stuhl auf dem Tisch – erkennen und korrigieren. Die Stimmung unter den Teilnehmern ist freudig-angespannt, die Atmosphäre ähnelt einer Führerscheinprüfung: „Man hat schon Respekt vor der Veranstaltung“, sagt Teilnehmer René Wagner, einer von von drei Berlinern im Wettbewerb.

Bewerbung mit Whiskey und Werbekampagne

Der 30-Jährige wohnt in Treptow-Köpenick, ist Bar-Manager im Waldorf Astoria und nimmt zum ersten Mal teil. In der Gastronomie ist er tätig, seitdem er sechzehn Jahre alt ist. Trotzdem ist er aufgeregt: „Es ist schon etwas her, dass ich sechs Drinks in acht Minuten mixen musste“, sagt Wagner und lacht, während er sich nervös umsieht. Beworben hat er sich mit einer Variation des Whiskey-Klassikers Old Fashioned, die Werbekampagne zum Drink habe Wagner unter anderem auf Facebook geschaltet. „Es reicht, als Barkeeper 80 bis 90 Drinks im Kopf zu haben, die werden dann abgewandelt“, sagt Wagner.

Der Berliner René Wagner mixt sonst im Waldorf Astoria.
Der Berliner René Wagner mixt sonst im Waldorf Astoria.Foto: Promo

Das weltweite Finale wurde bisher noch nie von Deutschland gewonnen

Große Hoffnungen auf den Gewinn macht er sich nicht, die Konkurrenz sei zu stark: „Ich will einfach eine schöne Show abliefern, Spaß haben und die anderen Teilnehmer kennenlernen“, sagt der gelernte Restaurantfachmann. Das weltweite Finale wurde noch nie von Deutschland gewonnen, im vergangenen Jahr war es der Japaner Michito Kaneko. Macht nichts, sagt Wagner, „allein die Teilnahme ist schon toll für die Vita.“

Zwischendurch viel Wasser trinken

Vier der fünf Qualifikationen machen alle Teilnehmer durch, darunter auch die „Market Challenge“, bei der die Bartender im KaDeWe mit einem begrenzten Budget alle Zutaten für einen Drink einkaufen sollen, um ihn dann zuzubereiten und anzubieten. Die letzte Prüfung ist dann das sogenannte „Food Pairing“: Hier dürfen nur noch drei Finalisten ihren Drink auf die Appetizer des Profikochs Boris Buno abstimmen.

Das anschließende Tasting, also die Geschmacksprobe der Getränke, ist dabei immer den Juroren überlassen. Bei der Menge an gerührten Drinks kommen einige Promille zusammen, Jury-Mitglied Ricardo Albrecht scheint davon jedoch wenig beeindruckt. Der Besitzer der Immertreu-Bar in Prenzlauer Berg zeigt auf eine Wasserflasche neben ihm: „Davon muss man zwischendurch genug trinken“, sagt Albrecht und wendet sich wieder seinem blauen Juroren-Zettel zu.

Der Gewinner kommt aus Frankfurt am Main

Gegen Ende des Abends steht der Gewinner des bundesweiten Contest fest: Der 27-Jährige Noureddine Elmoussaoui der „The Parlour“-Bar in Frankfurt am Main ist es geworden, seine Drinks und Bartender-Qualitäten waren laut Jury deutschlandweit am besten. Auf ihn kommt nun ein „Bootcamp“ zu, eine Art Barkeeper-Fortbildung im Juli, bei der er auf das globale Finale vorbereitet werden soll. Aber erst mal darf in Berlin gefeiert – und getrunken – werden.

René Wagner ist dieses Mal nicht unter die letzten drei gekommen. Was den eigenen Getränkekonsum angeht, ist er übrigens eher schlicht gestrickt: „Ich trinke auch gern mal ein Glas Wein.“

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