Berlin : Deutschpflicht: Türken prüfen Klage

Vereine befürchten Diskriminierung

Susanne Vieth-Entus

Mehrere türkische Organisationen haben sich gestern vehement dagegen ausgesprochen, den Gebrauch des Türkischen auf dem Schulgelände zu untersagen. Ein derartiges Verbot offenbare „die Inkompetenz und Unfähigkeit des deutschen Bildungssystems“, hieß es in einer Mitteilung des Türkischen Elternvereins. Man sei „bestürzt“ darüber, dass Bildungssenator Klaus Böger (SPD) sich hinter die Schulen gestellt habe, die sich per Hausordnung verpflichtet hatten, auch in den Pausen nur Deutsch zu sprechen. Die Vorsitzende des Türkischen Bundes, Eren Ünsal, will prüfen lassen, ob ein derartiges Verbot überhaupt rechtmäßig ist.

Angesprochen auf die vehemente Reaktion der Türken bekräftigte Böger, dass Schulkonferenzen sich sehr wohl auf eine derartige Regel einigen könnten. Man merke an der Schärfe der Auseinandersetzung aber, „auf welch brüchigem Eis man sich bewegt“. Gleichzeitig betonte er, dass er mit den türkischen Organisationen ständig im Gespräch sei und bleibe. Auch mit Kenan Kolat, dem Bundesvorsitzenden der Türkischen Gemeinde, sei er zu „99,8 Prozent einig“.

Kolat gehört zu den türkischen Repräsentanten, die seit Jahren von den Familien mehr Engagement bei der Integration fordern. Ähnliches gilt für den Türkischen Elternverein und den Türkischen Bund. Aber beim Thema „Deutschpflicht auf dem Schulhof“ verweigern sie sich kategorisch. „Verbotene Muttersprachen gehören an Schulen mit nationalistischem Bildungsauftrag“, sagt Kolat. Von dieser Wortwahl nahm er auch keinen Abstand, als klar wurde, dass das vermeintliche Verbot durch eine freiwillige Verabredung zwischen Eltern, Schülern und Lehrern zustande gekommen war. Turgut Hüner vom Türkischen Elternverein mutmaßte gestern, dass die türkischen Elternvertreter nicht wussten, was sie abstimmten. Er berichtete, dass Eltern seit Jahren darüber klagten, dass die türkische Sprache in Schulen verboten werde. Die Hausordnung sei aber eine neue Qualität. Eren Ünsal warb um Verständnis für die aufgebrachten Reaktionen: Die Türken fühlten sich „immer mehr an den Rand gedrängt“, sagte die Chefin des Türkischen Bundes. Meral Dollnick von der Vereinigung Türkischer Lehrer und Erzieher sieht „Grundrechte verletzt“.

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