Berlin : Deutungshoheit

Werner van Bebber

begrüßt den Bilderstreit am Finanzministerium Die Frau beweist Talent zur Kulturpolitikerin. Gerade hat Alexandra Hildebrandt, Chefin des Checkpoint-Charlie-Museums, den Streit um das verhüllte Kontrollhäuschen auf der Friedrichstraße hinter sich gebracht, schon beginnt sie den nächsten. Sie weigert sich, die Fotoleisten abzunehmen, die seit einem Jahr am Finanzministerium an den Aufstand vom 17. Juni 1953 erinnern. Sturheit gehört zu den Charakterzügen der streitbaren Museumschefin, doch ist es Sturheit mit Erfolg.

Ihre selbstherrliche Verhüllungsaktion hat den Vopo-Fotomotiv-Klamauk am Checkpoint zum Politikum gemacht und einen Baustadtrat und eine Stadtentwicklungssenatorin zum Handeln bewegt. Den Rechtsstreit mit dem Finanzministerium kann Alexandra Hildebrandt nicht gewinnen – er wird aber ein paar Tage lang zu einem Streit um den Umgang mit Erinnerung werden. Dass ausgerechnet der PDS-Abgeordnete Wolfgang Brauer der Hildebrandt die „Deutungshoheit“ über den Umgang mit der deutschen Geschichte bestreiten will, zeigt eins: Der Streit ist fällig, will man Erinnerungen nicht den Brauers und Flierls zur Einebnung überlassen.

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