Berlin : DFB-Pokal: Gefeiert wird - ganz egal, wie das Spiel ausgeht

Lo.

Da ist er wieder, dieser Zauber, der Nervenkitzel, diese Spannung, wie sie uns nur bei großen Ereignissen elektrisiert: Als ob ganz Köpenick nur ein Ziel kennt - das Stadion Alte Försterei in der Wuhlheide. Seit dem frühen Abend kurven Autos von überallher durch die engen Straßen, um einen Parkplatz zu finden. Vergeblich. Die S-Bahnsteige sind zu klein, denn die Masse, die sich die Treppe herunterwälzt, braucht Platz: für Fahnenträger, Sprechchöre und Musikanten, die ihre Blechblasinstrumente schon mal in der Akustik der Vorhalle ausprobieren.

Der 1. FC Union beschert seinen Fans ein Fußballfest. Dass sich der Kultverein nach jahrzehntelangen Auf- und dramatischen Abschwüngen bis ins Halbfinale des deutschen Fußball-Vereinspokals gespielt hat, ist schon eine Feier wert. "Dass ich das noch mal erleben darf!" murmelt ein Unioner älteren Semesters auf dem Weg ins Stadion durch den mit Scheinwerfern erleuchteten Wald. Um den Hals hat er den rot-weißen Vereinsschal und eine Tute, auf dem Kopf eine schwarze Pudelmütze mit dem Union-Emblem. Vielleicht kann man solche Menschen, die das Herz an ihren Fußballverein verschenkt haben, überall treffen, wo gekickt wird - und doch: Dies hier ist ein ganz besonderer Fall. Union, oft genug immer dann, wenn es darauf ankam, einen Schritt zu langsam oder einen Torschuss zu wenig, Union ist an diesem Abend im Begriff, seine treuen Fans mit allem zu versöhnen. "Egal wie das Spiel ausgeht - wir werden sie feiern!" sagt einer, der mit dafür gesorgt hat, dass der Schiedsrichter das Spiel überhaupt angepfiffen hat.

Sehn Se, det is Union: Platz voll Schnee, Katastrophenalarm, kurzer Aufruf über Radio und Internet: Kommt, helft - und schon stehen 150 Leute auf der Matte und fragen: Wo steht das Klavier? In drei Stunden grünt der Platz so grün, man duldet kein Weißes, es gibt Bier und Bockwurst und eine Freikarte zum Punktspiel am 17. Februar gegen Braunschweig, das für die Zukunft des Vereins übrigens ebenso wichtig ist wie das Match um den Einzug ins Olympiastadion am 26. Mai. Motto: Wir fahren nach Berlin - mit der S-Bahn!

Zum Fluidum des Abends gehören die Kameras und ARD-Übertragungswagen, mit deren Hilfe das Spiel live übertragen wird. Die Promi-"Loge" im nun überdachten Tribünenbereich ist viel zu klein für den Andrang, der sich später im weißen VIP-Zelt trifft. Eberhard Diepgen hatte den Abend fest in seinem Terminkalender (Tipp: 2:1), und, wer weiß, ob der Bundeskanzler nicht auch gekommen wäre, wenn ihn nicht die Grippe ins Bett gezwungen hätte.

"Union in seinem Lauf hält weder Wetter noch Gladbach auf!" hoffte gestern Unioner Ali auf der Fan-Website. "Wassermann" erwartet "einen Mittwoch ohne Stimme und ein Siegesleuchten in den Augen". Und Harald sagt, was viele denken: "Wir können bei diesem Spiel nur gewinnen - egal, wie es ausgeht".

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