Berlin : Diabetes-Center schließt nach Streit um Abrechnungen

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„Wir geben auf!“ verkündeten gestern Anzeigen in mehreren Berliner Tageszeitungen. Mit polemischen Formulierungen gab darin das Austenat Diabetes-Center in Tiergarten die Schließung zum ersten Januar 2007 bekannt – als Konsequenz eines seit Mitte der neunziger Jahre andauernden Rechtsstreits mit der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin (KV). Diese hatte angeblich überhöhte Rechnungen beanstandet, daraufhin die Zahlungen reduziert und mehrere hunderttausend Euro an zu viel gezahlten Honoraren zurückgefordert. Der Diabetespraxis fehlt jetzt nach eigenen Angaben das Geld, um weiterzumachen.

Die Leiterin der Praxis, Elke Austenat, war gestern nicht zu einer Stellungnahme bereit. Sie hat die damals noch als „Zentralinstitut für Diabetes und Stoffwechselkrankheiten“ in der Klosterstraße in Mitte beheimatete Einrichtung Anfang der neunziger Jahre übernommen. Ihr Anwalt, Herbert Wartensleben, bestätigte jedoch die Schließung zum Jahresbeginn. Frau Austenat habe das Ruhen ihrer Zulassung beantragt, sagte er.

Zuletzt befanden sich gut 1500 Patienten im Diabetes-Center in Behandlung. Deren medizinische Versorgung sei, so Wartensleben, nach einer Schließung der Praxis nicht mehr gewährleistet. Die Kassenärztliche Vereinigung Berlin sieht das anders. Derzeit gebe es rund 75 Diabetesschwerpunktpraxen in Berlin, sagte gestern Annette Kurth, Sprecherin der KV, die den Anforderungen problemlos nachkommen könnten. Auch die Senatsverwaltung für Gesundheit sieht derzeit keinen dringenden Handlungsbedarf.

Eine Schließung der Praxis sei bedauerlich, sagte Kurth, verteidigte aber das Vorgehen der KV. Diese wirft Austenat vor, rechtliche Grundlagen der Bedarfsplanung für Ärzte missachtet und keine Nachweise über die Qualifikation der bei ihr angestellten Mitarbeiter geliefert zu haben. Für Außenstehende könne das Verhalten der KV aussehen wie Paragrafenreiterei, sagte Kurth, letztendlich aber dienen die Regeln, gegen die Austenat verstoßen habe, dem Schutz der Patienten – und der gehe vor. mho

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