Berlin : Dialog zwischen Koch und Maler

Prominente zeigen ihr MoMA-Lieblingswerk: Hans-Peter Wodarz mag Andy Warhols „Vorher und Nachher“

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HansPeter Wodarz ist Gourmet-Koch und Chef des Erlebnisrestaurants „Pomp Duck and Circumstance“, das am U-Bahnhof Möckernbrücke in einem Spiegelzelt residiert. In der MoMA-Ausstellung ist er auf das Bild eines alten Bekannten gestoßen – auf „Vorher und Nachher“ von Andy Warhol.

Es ist nicht der Vorher-Nachher-Effekt, der mich an dem Bild reizt, sondern das Nebeneinander der beiden Gesichter. Für mich zeigt das Bild, dass beide Frauen auf ihre Weise attraktiv sind. Die linke Frau auf dem Bild sieht intelligenter aus als die andere. Ich finde sie außerdem erotischer, vor allem ihre Lippen sind interessanter. Und ihre Augen gefallen mir besser. Ihr Gesicht ist auch ausdrucksstärker. Das ist raffiniert gemacht: Für sie hat Warhol mehr Schwarz benutzt, so kommt dieser Effekt zustande. Diese Manie der Leute heutzutage, sich immer noch schöner, noch jünger zu machen – das ist doch bescheuert. Oft machen Operationen ja eher hässlicher. Denken Sie mal an diese aufgeblasenen Lippen oder diese scheußlichen Schnitte, die oft hinter den Ohren zurückbleiben. Schon allein, dass ein Gesicht, das einem vertraut ist, plötzlich ganz anders aussieht – das finde ich fürchterlich. Ich habe mich an der ganzen Schönheit vielleicht auch ein bisschen satt gesehen. Schönheit ist ja ganz nett, aber Hässlichkeit kann manchmal interessanter sein.

Das Bild mag ich aber nicht nur seines Motivs wegen. Ich habe zu Werken von Andy Warhol eine ganz besondere Beziehung. Weil ich ihn einmal persönlich kennen gelernt habe. Ich glaube, das war 1979. Damals hatte ich ein Gericht für ihn kreiert – Dialog der Früchte – das war genauso bunt wie seine Bilder. Warhol kam zu der Pressekonferenz, auf der ich das Gericht vorstellte und bereitete es sogar mit mir gemeinsam zu. Das war für mich natürlich der Hammer. Er war ein sehr seltsamer Mensch mit einer faszinierenden Aura. Seine Gemütsverfassung veränderte sich von einer Minute zur anderen. Erst stand er eine ganze Zeit lang stumm in einer Ecke, sagte absolut nichts. Dann plapperte er wie wild drauf los, und als wir kochten, lachte er wie ein Kind. Und er hatte einen Faible für schöne Menschen, er hat sie dauernd fotografiert. Er selbst war ja eher hässlich – interessant hässlich.

Aufgezeichnet von Anne Seith

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