Berlin : "Diamonds": Diamantenfieber

Andreas Conrad

Bei Filmstoffen, die vom Verfall des Menschen handeln, sind Schauspieler mit langer Karriere im Vorteil. Um dieses Thema zu visualisieren, greift man dann kurzerhand ins Archiv, und wahrscheinlich finden sich sogar Jugendbilder des Akteurs in der jeweils benötigten Berufsgruppe. Zum Beispiel ein gealterter Boxer: In einem Vierteljahrhundert könnte Robert De Niro die Rolle spielen, in "Diamonds" war es Kirk Douglas. Es ist der erste Film des 84-Jährigen seit seinem Schlaganfall vor fünf Jahren, allein dies verdient alle Achtung. Da es um einen ehemaligen Boxer geht, hatte man sich für die Rückblenden bei seinem Frühwerk "Champion" von 1949 bedient. Am gestrigen letzten Tag der Berlinale wurde er noch einmal im Rahmen der Hommage im Cinemaxx gezeigt. Bereits am Samstagabend hatte es dort eine zusätzliche Vorstellung und kurz zuvor eine im Filmpalast gegeben.

Dort war anfangs aber nicht von den Mühen des Alters, sondern den Freuden lukrativer Investitionen die Rede. Der 1999 entstandene Film, der in wenigen Monaten in die deutschen Kinos kommt, war von der Total Film Group und der in Potsdam ansässigen Cinerenta GmbH produziert worden, letztere hatte ihre Investoren erst ins Kino, dann zum Empfang ins nahe Kempinski eingeladen. Denn wenn auch, wie wortreich geschildert wurde, der Geldrückfluss ganz super sei, sollten die Damen und Herren Investoren doch zusätzlich sehen, worin ihr Geld denn nun steckt.

Der Film bot manche Irritation, zumindest wenn man den Auftritt von Kirk Douglas in Berlin mitverfolgt hat. Manchen Satz, manche Geste auf der Leinwand hatte man völlig identisch bereits real miterlebt. Kirk Douglas spielt genaugenommen sich selbst, mit dem Schlaganfall sind Schauspielrolle und Leben in "Diamonds" zur Deckung gekommen.

Dem Publikum hat das offenbar gefallen, aber auch ohne diese Einstimmung hätte Kirk Douglas doch gewiss den mittlerweile gewohnten brausenden Beifall erhalten, der ihm dann bei seinem kurzen Auftritt beim Empfang zuteil wurde. Viel Zeit blieb nicht, das nächste applausbereite Publikum im Cinemaxx wartete schon.

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