• Die 22-jährige wollte ihr Lügengebäude aufrecht erhalten, doch an bürokratische Fallstricke dachte sie nicht

Berlin : Die 22-jährige wollte ihr Lügengebäude aufrecht erhalten, doch an bürokratische Fallstricke dachte sie nicht

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So geplant Victoria K. daran ging, ihre Schwangerschafts-Legende aufrecht zu erhalten, so spontan hat sie die kleine Celina aus dem Friedrichshainer Krankenhaus entführt. Die 22-jährige Frau hatte Ende September den erst drei Tage alten Säugling aus der Klinik geraubt, weil sie, wie berichtet, auf diese Weise hoffte, ihren Freund an sich zu binden, der bereits Monate zuvor die Beziehung beendet hatte.

Nach der Trennung verbreitete die junge Frau überall, sie sei schwanger und hoffte, dass ihr Freund deswegen zur ihr zurückkehrt. Die Schwangerschaftsstadien täuschte sie vor, in dem sie sich Kissen unter die Kleidung stopfte. Die Frau, gegen die Haftbefehl wegen Kindesentziehung erlassen worden war, wurde nun gegen Meldeauflagen aus dem Gefängnis entlassen. Denn die Frau hat einen festen Wohnsitz, Verdunklungs- oder Fluchtgefahr bestehe nicht.

In ihrer Wilmersdorfer Wohnung richtete sie ein Kinderzimmer ein, beschaffte sich Kleidung, Windeln, Spielsachen und Säuglingsnahrung. Sie plante schon früh, einen Säugling zu entführen, um ihr Lügengebilde nicht auffliegen zu lassen. Bei ihrer Vernehmung durch Polizei und Staatsanwaltschaft gab sie zu, die Tage der offenen Türen in verschiedenen Geburtskliniken ausgenutzt und sich über die Zugangsmöglichkeiten informiert zu haben. So war sie auch ins Krankenhaus Friedrichshain gekommen.

Als dann die Zeit drängte, weil der vorgebliche Geburtstermin längst überschritten war, entschloss sie sich spontan für die Friedrichshainer Klinik. Dies habe nicht das Mindeste damit zu tun, dass es dort angeblich die geringsten Sicherheitsvorkehrungen gibt, sagte ein Ermittler. Die Frau fuhr am Nachmittag des 24. September mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu der Klinik und ging in das Kinderzimmer der Geburtsstation, wo Celina zu diesem Zeitpunkt - es war Besuchszeit - als einziges Kind lag. Alle anderen Neugeborenen waren bei ihren Müttern.

Dort nahm Victoria K. den Säugling aus dem Bett, brachte die Decke in Ordnung, so dass nur bei genauem Hinsehen erkennbar war, dass das Bett leer war, und verließ mit dem Neugeborenen die Klinik. Aber auch darüber hatte sie sich Gedanken gemacht und eine Kindertrage mitgebracht. In dieser schmuggelte sie das Baby heraus, um anschließend wiederum mit der BVG nach Hause zu fahren. Dabei sei sie voller Angst gewesen, das Kind könne schreien und so Fragen von Fahrgästen provozieren, was denn mit dem Säugling los sei, hieß es aus Ermittlerkreisen.

So geplant Victoria K. bei der "Beschaffung" des Kindes vorging, so wenig hatte sie alle medizinischen und bürokratischen Fallstricke bedacht, durch die ihre Tat schließlich entdeckt werden musste. Bei der Betreuung des Kindes verlangt der Kinderarzt den Mutterpass. Diesen hätte die Entführerin nie vorweisen können - ebenso wenig die Geburtsurkunde bei der Anmeldung des Kindes. Selbst wenn sie die Anmeldung des neuen Erdenmenschen unterlassen hätte, hätte das Kind eingeschult werden müssen. Und auch die dafür notwendigen Unterlagen fehlten und hätten von Victoria K. nicht beschafft werden können.

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