• „Die Ängste sind unbegründet“ Experte: Ambulanz für Sexualstraftäter ist sicher

Berlin : „Die Ängste sind unbegründet“ Experte: Ambulanz für Sexualstraftäter ist sicher

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Das Ergebnis der Pround-Contra-Umfrage klingt eindeutig: 87,9 Prozent der Anrufer sind dagegen, dass in Tegel ein Therapiezentrum für Sexualstraftäter eröffnet wird. Katja Füchsel sprach mit Hans-Ludwig Kröber über die Vorbehalte in der Bevölkerung.

Die Anwohner haben Angst. In der Nähe des Therapiezentrums befinden sich Schulen und Kitas…

Ich verstehe die Ängste, aber sie sind wirklich unbegründet. Die Risiken für die Anwohner werden nicht steigen.

Was macht Sie da so sicher?

Man hat noch nie gehört, dass Leute, die Meldepflichten beim Polizeirevier haben, nun am liebsten neben der Polizeiwache Straftaten begehen. Nicht anders ist es hier. Die 40 Menschen, die in Freiheit entlassen sind, werden sicherlich nicht ausgerechnet dort neue Straftaten begehen. Es werden ohnehin die bestbeobachteten Strafentlassenen Berlins sein.

Wie viele bleiben unbeobachtet?

Es gab in Berlin in den letzten zwölf Jahren mehr als 9000 registrierte Sexualstraftäter. In der Nachsorge-Ambulanz werden vielleicht 10 der 40 Klienten ehemalige Sexualstraftäter sein. Die Gefahr geht aber von den 8990 Tätern aus, die nicht in die Ambulanz gehen werden.

Was kann die Ambulanz leisten?

Die meisten Straftäter erhalten nun einmal eine zeitlich begrenzte Freiheitsstrafe und kommen auf jeden Fall wieder in Freiheit. Wenn diese Täter nach Haftentlassung rückfällig werden, werden sie meist in den ersten zwei Jahren nach Entlassung rückfällig. Wenn man sie professionell begleitet, und nicht allein von den überlasteten Bewährungshelfern, lässt sich die Rückfallhäufigkeit gerade bei Sexualdelikten halbieren, auf unter zehn Prozent.

Ihr Institut fordert seit Jahren eine solche Modelleinrichtung.

Ja, denn Studien zeigen, dass für die öffentliche Sicherheit kaum etwas so effizient ist wie eine Ambulanz. Die Alternative ist: nichts tun, die Entlassenen unbeaufsichtigt laufen lassen.

Mal abgesehen von der Forderung: Wegsperren für immer…

Dann müssten nicht nur die Bewohner von Tegel, Moabit, Plötzensee, Hakenfelde, Düppel, Pankow, Friedrichshain, Wittenau und Buch mit einer Haftanstalt in ihrem Wohngebiet leben, sondern dann müssten wir überall in Berlin neue Gefängnisse bauen. Und Menschen einsperren, von denen mehr als die Hälfte nie wieder straffällig würde. Abgesehen davon wäre so eine Lösung gar nicht finanzierbar. Nicht zuletzt damit konnte man auch Finanzsenator Sarrazin von der Ambulanz überzeugen.

Hans-Ludwig Kröber ist Direktor des Instituts für Forensische Psychiatrie an der

Charité. Er gilt außerdem als einer der angesehensten Gerichtsgutachter Deutschlands.

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