Berlin : Die Airline war schon immer etwas Besonderes

Hans von Przychowski

Die Entscheidung der Lufthansa, auf den innerdeutschen Berlin-Strecken die Tarifpolitik zu ändern, hat zu keinen großen Protesten geführt. Seit dem 1. Februar müssen, wie berichtet, Fluggäste, die am gleichen Tag zurückfliegen, erheblich mehr zahlen als bisher. Besonders betroffen ist die Route nach Frankfurt (Main). Hier fordert die Lufthansa nun für den Tageshin- und rückflug 850 Mark statt wie bisher 520 Mark; einschließlich der Gebühren sind es sogar 903 Mark. Dabei werden die Passagiere nicht, wie der Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber zunächst erklärt hatte, in der Business-Klasse, sondern weiter in der Economy-Klasse befördert.

Betroffen sind vor allem Geschäfts- und Dienstreisende. Aber weder Politiker noch Vertreter der Wirtschaft haben das neue Verfahren kritisiert. Dabei habe in den 40 Jahren unter West-Alliierter Verantwortung für den Berlin-Flugverkehr keine Preisänderung vorgenommen werden können, ohne dass es zu heftigen Protesten der Regierung und der Opposition in Berlin und Bonn gekommen wäre, heißt es in Luftfahrtkreisen. Von 1950 bis 1990 wurden die Flugpreise von den drei westlichen Luftfahrtattachés genehmigt, die ihrerseits an die Weisungen ihrer Regierungen gebunden waren. Die deutsche Seite hatte lediglich ein Recht auf Information, ohne beteiligt zu sein.

Die Lufthansa forderte auf ihren innerdeutschen Strecken seit langem deutlich höhere Preise als die alliierten Gesellschaften im Berlin-Verkehr, obwohl deren Treibstoffkosten im Durchschnitt um 14 Prozent höher lagen, weil die alliierten Flugzeuge gezwungen waren, unterhalb der 3300-Meter-Grenze in den Luftkorridoren zu fliegen. Mitte 1970 flog die Lufthansa zum Beispiel zu einem Kilometerpreis von 38 Pfennigen, während die alliierten Gesellschaften nur 29 Pfennig verlangten.

Auf der Strecke von Berlin nach Frankfurt (Main) stieg zum Beispiel der Flugpreis, den der Passagier zahlen musste, von 158 Mark für den Hin- und Rückflug im Jahr 1950 auf 460 Mark im Jahr 1990. Da der Bund den Berlin-Flugverkehr damals subventionierte, kamen auf der Frankfurt-Route 44 Mark aus der Staatskasse hinzu. Die Gesellschaften kassierten so insgesamt 504 Mark.

Am kräftigsten fiel die Erhöhung dabei auf der Frankfurter Strecke aus, auf der die Lufthansa ein Monopol hat. Für den längeren Flug von Berlin nach München verlangt die Lufthansa "nur" 92 Mark mehr als zuvor. Auf der Verbindung nach München hat das ehemalige Staatsunternehmen allerdings auch Konkurrenz durch die Deutsche BA.

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