• Die aktuelle Frage: "Kritik als Bestandteil der Behördenkultur" - Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei Berlin

Berlin : Die aktuelle Frage: "Kritik als Bestandteil der Behördenkultur" - Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei Berlin

Ihre harsche Kritik an der Polizei hat heftige Rea

Eberhard Schönberg ist Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Berlin. Die Wochenzeitung "Die Zeit" zitierte ihn jüngst mit einer harschen Kritik an der Berliner Polizei. Daraufhin kam es zu größeren Protesten innerhalb der Behörde. Werner Schmidt befragte den Gewerkschafter zu den gegenseitigen Vorwürfen.

Ihre harsche Kritik an der Polizei hat heftige Reaktionen der Polizeiführung ausgelöst. Wie äußert sich denn der "kleine Beamte" im mittleren und gehobenen Dienst dazu?

Der Inhalt des Zeit-Artikels beschreibt in einer Gesamtbetrachtung auch den inneren Zustand der Berliner Polizei. Mir war natürlich klar, dass dies nicht für alle Dienststellen zutrifft und in unterschiedlicher Ausprägung und Intensität auftritt. Genau hier setzen die Reaktionen der Kolleginnen und Kollegen ein, die ganz überwiegend positiv sind. Das von mir beschriebene Betriebsklima wird von großen Teilen der Kollegenschaft genauso empfunden. Viele Äußerungen aus unserer Gewerkschaftsbasis über Teile des "höheren Dienstes" sind allerdings wesentlich zugespitzter als meine.

Die Wochenzeitung "Die Zeit" zitiert Sie mit der Bemerkung, bei der Berliner Polizei handele es sich um "eine Ansammlung uniformierter Duckmäuser", Sie sagen, Sie hätten diese Äußerung nicht getan. Was haben Sie denn gesagt?

Ich habe nichts gesagt, sondern den bewussten Artikel geschrieben, der der Zeit dann zugefaxt wurde. Der Schluss meines Artikels lautete: "Ein neuer Polizeipräsident muss eine moderne Führungs- mit einer konstruktiven Konfliktkultur und Dialogfähigkeit nach innen und außen praktizieren, den Reformstau auflösen und zeitgemäße Organisationsstrukturen für eine effiziente Polizeiarbeit durchsetzen. Die Bürger Berlins haben darauf einen Anspruch, aber auch die Beschäftigten der Hauptstadtpolizei, denn nur motivierte Beschäftigte, die bereit sind, mitzugestalten, können zusammen mit einem neuen Präsidenten die notwendigen, grundlegenden Veränderungen schnell umsetzen." Dieser Text wurde auch anderen Zeitungen, unter anderem dem Tagesspiegel, als "Hintergrundinformation" vor dem Erscheinen der Zeit zugesandt.

Wenn es hier Missverständnisse gegeben hat, halte ich die Klärung allerdings nur für zweitrangig, weil es meine grundsätzlichen Aussagen in diesem Artikel nicht ändert. Mein Beitrag lässt sich nicht auf den kritisierten Satz reduzieren.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, die Wogen zwischen Polizeiführung und GdP zu glätten?

Mein Artikel verfolgte nicht die Absicht, Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter dieser Behörde herabzusetzen, sondern er sollte als Appell an den neuen Polizeipräsidenten verstanden werden, konstruktive Kritik und Offenheit auch gegenüber der Presse als selbstverständlichen Bestandteil einer neuen Behördenkultur zuzulassen. Wir sind eine demokratische Organisation und nehmen sachliche Kritik ernst. Deswegen sollte man über diesen Artikel sachlich und kritisch diskutieren. Dazu sind wir als GdP und ich als Vorsitzender jederzeit bereit. Ich glaube, dass das Gespräch auf jeden Fall besser ist als der Austausch von Briefen.

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