Berlin : Die aktuelle Frage: Soll es die Stadt noch einmal versuchen?

Soll Berlin sich erneut bewerben?

Als Berlin sich Anfang der 90er Jahre für die Olympischen Spiele 2000 bewarb, war Volker Kähne skeptisch. Ihm erschienen damals andere Aufgaben - Stichwort Hauptstadt-Ausbau - dringlicher. Lars von Törne befragte Volker Kähne (60), den ehemaligen Chef der Senatskanzlei, zu den Aussichten einer erneuten Bewerbung.

Soll Berlin sich erneut bewerben?

Ich halte es für fraglich, ob die Stadt sich das finanziell wirklich leisten kann. Es wäre ein Wechsel auf die Zukunft, den man sich genau angucken muss. Eine wesentliche Finanzierung der Spiele durch den Verkauf der Fernsehübertragungsrechte wäre zum Beispiel eine zu labile Planung für so ein milliardenschweres Vorhaben.

Also raten Sie dem künftigen Senat von einer erneuten Bewerbung ab?

Ich bin verhalten skeptisch. Ich bezweifele angesichts der schwierigen finanziellen Lage Berlins einfach, ob die Stadt sich so etwas leisten kann. Es wäre zum Beispiel zu klären, in welcher Höhe auch bei einer privaten Finanzierung Landesgelder benötigt werden, um Projekte wie etwa einen Olympia-Express vorzufinanzieren.

Wie realistisch ist die Ankündigung von IHK-Chef Werner Gegenbauer, die Bewerbung durch Millionenspenden aus der Berliner Wirtschaft zu finanzieren?

Angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Situation halte ich das für eine übermäßig optimistische Sicht der Dinge. Das Wort "Sponsoring" ist inzwischen zu einem Schlüsselbegriff für unseriöse Finanzierung geworden.

Was empfehlen Sie der künftigen Landesregierung unter Klaus Wowereit?

Berlin sollte dafür sorgen, dass die Finanzierung des Großflughafens, der Museumsinsel und gegebenenfalls des Schlosses gewährleistet ist. Erst dann kann man die Frage stellen, ob man sich um die Olympischen Spiele bewirbt.

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