Berlin : Die aktuelle Frage

Haben Sie im Café auf Ihren Erfolg krä

Der Bundestag verabschiedete am Freitag mit großer Mehrheit einen Gesetzesentwurf, wonach Prostitution ab dem nächsten Jahr nicht mehr strafbar ist. Felicitas Weigmann hatte bereits im Dezember 2000 vor dem Verwaltungsgericht indirekt erstritten, dass die Prostitution nicht mehr als sittenwidrig zu gelten habe.

Haben Sie im Café auf Ihren Erfolg kräftig angestoßen?

Sie werden lachen, ich bin nach Hause gefahren und habe bis zwei Uhr nachts geschrieben. Der Brief befasst sich mit den Änderungen und ist an alle Frauen des "Café Pssst!" gerichtet. Das ist meine Art, das Geschehen weiter zu verarbeiten.

Ist die Branche denn nicht längst über das neue Gesetz informiert?

Die meisten Frauen haben keine Ahnung von der neuen Situation. Oft aus Desinteresse. Viele Frauen verstecken sich, weil ihnen immer die Angst vor der Steuer im Nacken sitzt.

Was wird sich in Ihrer Branche jetzt im Alltag ändern?

Gar nicht so viel. Schließlich wurde nur Gesetz, was seit Jahrzehnten geduldet wurde. Aber die berufliche Anerkennung war längst überfällig. Jetzt ist auch die im Strafgesetzbuch beschriebene Förderung der Prostitution nicht mehr strafbar. Ich als Bordellbetreiberin, laufe also nicht mehr Gefahr, dass mein Geschäft geschlossen wird.

Werden jetzt Berlins Prostituierte zu Angestellten mit Kranken- und Lebensversicherung?

Die meisten werden weiterhin selbstständig bleiben wollen und heimlich arbeiten. Schwarzarbeiter wird es immer geben, gerade da, wo man nicht mit Rechnungen arbeiten muss und die Umsätze daher schwer nachzuvollziehen sind.

Manche Ihrer Kollegen kritisieren, das Gesetz sei nicht weitreichend genug...

Die PDS forderte außerdem Verbesserungen wie die Abschaffung des Werbe-Verbots und der Sperrgebietsverordnung. Jedoch hätte dies der Zustimmung des Bundesrates bedurft und möglicherweise die Sache erheblich verzögert. Ich sage lieber: Schritt für Schritt, dann kommt alles andere von alleine.

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