Berlin : Die aktuelle Urzeit

Ab heute Mittag wird im Naturkundemuseum drei Tage lang bei freiem Eintritt Eröffnung gefeiert Ein Leitfaden für alle, die sich auf die Reise durch die Geschichte der Erde begeben wollen

Katja Füchsel

Die Dinos kannten keinen Kalender, keinen Aberglauben – und deshalb schert das etwas spezielle Eröffnungsdatum im Naturkundemuseum auch niemand: Ab 12 Uhr wird Eröffnung gefeiert, heute, am Freitag, den 13. Bis Sonntag wird es vor dem Museum Stände und Aktionen geben, der Eintritt zur neuen Ausstellung für alle Besucher ist frei. Was Sie wissen und auf keinen Fall verpassen sollten:

Weltrekord. Der „Brachiosaurus brancia“ ist nicht zu übersehen: Mit seinen über 13 Metern Höhe reicht der Dinosaurier bis knapp unter die neu verglaste Kuppel im Lichthof. Er gilt als Herzstück der Ausstellung und als das weltweit höchste und berühmteste Dinoskelett aus echten Fossilien. 50 Tonnen wog die Urzeitechse, stapfte vor 150 Millionen Jahren durch das Jura. 1909 wurde der Brachiosaurus in Afrika ausgegraben.

Kartenabbeißer. „Big Al“ begrüßt die Gäste auf seine Weise: mit gefletschten Zähnen und blutrünstigem Blick. Der Allosaurier streckt seinen rekonstruierten Schädel durch die Scheibe direkt ins Foyer. Das skelletierte Hinterteil des Urzeitriesen – er gilt mit seinen knapp neun Metern als größter Räuber zur Zeit des oberen Jura – können die Besucher dann im Sauriersaal betrachten. Insgesamt stehen im aufwendig restaurierten Lichthof die Skelette von sieben Dinosauriern.

Mona Lisa. So nennen die Ausstellungsmacher ihren „Archaeopteryx“ – vermutlich, weil die Knöchelchen des Urvogels jedem Forscher ein verzücktes Lächeln auf die Lippen zaubern. 150 Millionen Jahre ist das Fossil alt und von unschätzbarem Wert. Weltweit gibt es neun Exemplare, aber keines ist so gut erhalten wie das Berliner Stück. Es wird am hinteren Ende des Sauriersaals aufbewahrt in einer pechschwarzen Hochsicherheitsvitrine. Der Archaeopteryx war bislang den Wissenschaftlern vorbehalten und ist jetzt erstmals zu sehen.

Weltuntergang. Es dauert nur einige Sekunden, dann ist Berlin ausgelöscht: Mit 70 000 Stundenkilometern rast der Asteroid auf die Erde zu. Nachdem der etwa hundert Meter dicke Gesteinsbrocken aufgeprallt ist, ist von der Hauptstadt nur noch ein riesiger glühender Krater übrig – und einige überraschte Gesichter der Besucher. Das Video ist in den Räumen hinter der Saurierwelt zu sehen, keine Showeinlage, sondern eine exakte mathematische Simulation, die die realen Folgen eines Meteoriteneinschlags veranschaulicht. Die kleineren Originale kann man gleich nebenan bestaunen: Rund 50 „himmlische“ Gesteinsbrocken unterschiedlicher Struktur und Farbe gehören zur Ausstellung, die in der Halle „System Erde“ zu sehen sind.

Jurassic Park. „Juraskope“ nennen sich die High-Tech-Ferngläser, mit denen man einen Blick in die Zeit der Dinosaurier werfen kann. Im Sauriersaal kann man so direkt in die Zeit des Jura blicken: Die Gerippe der Echsen werden im Sucher plötzlich lebendig, dem Skelett wachsen Muskeln und Haut, der Raum verwandelt sich in eine Savannenlandschaft und den Dinos kann man per Digitaltrick beim Fressen, Brüllen und Jagen zusehen.

Auf Zeitreise. Die Schau will die Besucher auf eine Reise schicken durch die Geschichte der Erde, zu den Rätseln des Lebens und in die Weiten des Kosmos. In vier Teile hat man die neue Ausstellung, die nicht nur mit alten Knochen, sondern auch Videosimulationen und Tauchscreens arbeitet, gegliedert: Saurierwelt, System Erde, Kosmos und Sonnensystem, Evolution in Aktion. Zwei Jahre haben die Arbeiten für die neue Ausstellung gedauert, 18 Millionen Euro kostete der Umbau. Die Besucher wandeln nun zwischen historischen Säulen, Stuckdecken, Wandfliesen und Vitrinen. Als neuer Dreh- und Angelpunkt gilt jetzt der Lichthof: mit seinen Urvögeln, Flugsauriern, frühen Fischen und Dinosauriern.

Mit Tradition. Das Naturkundemuseum in Mitte kann auf eine fast 200 Jahre alte Tradition zurückblicken. Und deshalb soll – allen modernen Spielereien zum Trotz – weiterhin das im Vordergrund stehen, was das Museum zu einem der bedeutendsten seiner Art in der Welt gemacht hat: die Sammlung von Originalpräparaten. An einer neuen, riesigen Glaswand können die Besucher einen kleinen Ausschnitt aus der 30 Millionen Stücke umfassenden Sammlung bestaunen: versteinerte Muscheln, ausgestorbene Fische, Käfer, Schlangen…

Verlorene Welt. Für die drei Premierentage stehen diverse Specials auf dem Programm: Am heutigen Freitag werden beispielsweise von 14 bis 16 Uhr Flugsaurier am Himmel schweben – der australische Künstler Brendan Shelper und drei Artisten präsentieren eine „Performance from the Lost World“. Zu später Stunde präsentiert der Komiker Dietmar Wischmeyer am Sonnabend sein neues Programm. Unter dem Blick der Saurier darf dann ab 23 Uhr über den Klimawandel auch mal gelacht werden (21,40 Euro im Vorverkauf).

Anfahrt. Das Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität zu Berlin befindet sich in der Invalidenstrasse 43, 10115 Berlin. Das Museum ist telefonisch erreichbar unter 030-2093 8591, im Internet unter www.naturkundemuseum-berlin.de. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln geht es am schnellsten so: U-Bahn-Linie U6 bis Zinnowitzer Straße. Tram M6, M8, 12 bis Haltestelle U-Bhf. Zinnowitzer Straße. Mit der S-Bahn S1, S2 und S25 bis Nordbahnhof, S3, S5, S7, S75 und S9 bis Hauptbahnhof.

Öffnungszeiten. Am heutigen Freitag öffnet das Museum von 12 bis 20 Uhr. Bis zum 22. Juli kann man die Ausstellung täglich von 9.30 bis 20 Uhr sehen – auch am Montag. Danach gilt wieder: dienstags bis freitags von 9.30 bis 17 Uhr. Samstags, sonntags und feiertags von 10 bis 18 Uhr. Letzter Einlass ist 30 Minuten vor Schließzeit.

Eintrittspreise. Erwachsene: 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Familienkarte (zwei Erwachsene, ein bis drei Kinder): 10 Euro. Minifamilienkarte (ein Erwachsener, ein oder zwei Kinder): 6 Euro. Katja Füchsel

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