Berlin : Die allererste MoMA-Führung

Einen Tag vor der offiziellen Eröffnung lud Coca-Cola Deutschland zum 75. Geburtstag 250 Gäste zum Gala Dinner in die Nationalgalerie

Elisabeth Binder

Heute abend gibt der Regierende Bürgermeister in der Neuen Nationalgalerie Interviews auf Englisch. Im Hintergrund Roy Lichtensteins „Mädchen mit Ball“. Voraus Edward Hoppers Bild „Benzin“. Wann er das letzte Mal im Museum of Modern Art war? Kann er nicht genau sagen, ist aber schon ein paar Jahre her. „Vor meiner Zeit als Bürgermeister.“ Zusammen mit 250 Gästen eines Gala-Dinners zum 75sten Geburtstag von Coca-Cola Deutschland genießt Klaus Wowereit den Luxus, sich die Ausstellung einen Abend vor der offiziellen Eröffnung ohne Gedränge und in aller Ruhe anzusehen. Unter den Gästen Arend Oetker, Laurenz Meyer, der Leiter der American Academy Gary Smith mit Frau Chana Schütz, der Protokollchef des Bundespräsidenten, Martin Löer, und zahlreiche Top Manager. Im Vorraum sind die Tische in den Farben von Cola Light gedeckt, rote Lampen und Ranunkeln, viel Silber auf den weißen Tischen. An den Wänden Aufnahmen von Coca-Cola-Flaschen in der Rolle der Muse. Für Andy Warhol. Für Josef Beuys. Für Klaus Staeck. Und andere. Auch eine Lenin Cola ist zu sehen. Später gibt es Medaillons vom Lobster und Rinderfilet in der Rucola-Kruste. Aber erstmal gibt es Kunst. Da sind sowieso alle viel hungriger drauf.

Gastgeber Götz-Michael Müller erklärt, warum es keinen besseren Ort für die Feier dieses runden Geburtstags gegeben hätte. Als 1929 zum ersten Mal in Deutschland eine Coca-Cola-Flasche vom Band lief, wurde in New York das Museum of Modern Arts gegründet. Seit sieben Monaten ist die Coca-Cola-Zentrale in Berlin und auch das, betont Müller, sei Grund zum Feiern, denn der Umzug hierher sei die richtige Wahl gewesen, erste Erfolge zeigten das deutlich. Klar, dass der Regierende Bürgermeister sowas gern hört und sich revanchiert mit Zitaten aus großen Berlin-Filmen, in denen Coca- Cola eine tragende Rolle spielte, an der Spitze Billy Wilders „Eins, Zwei, Drei“, zuletzt „Goodbye Lenin“. Den Vorabrundgang nennt er „ein riesiges Privileg“, bekräftigt seine Überzeugung, dass diese Ausstellung zur internationalen Reputation der Stadt erheblich beitragen werde und dankt zugleich dem Vorsitzenden des Vereins der Freunde der Nationalgalerie, Peter Raue, für seine Initiative, sein Engagement und seine Risikobereitschaft. MoMA-Direktor Glenn Lowry erzählt dann noch mal die Geschichte, wie es zu der Ausstellung eigentlich kam. Die Idee habe Peter Raue bei einem gemeinsamen Dinner in Berlin gehabt. Seine eigene Antwort darauf sei eigentlich unmissverständlich gewesen, so Lowry: „Unmöglich, diese Kunstwerke gehen niemals auf Reisen.“ Als Raue nicht locker ließ, gab er dann irgendwann doch sein Okay. Verbeugt sich bei dieser ganz besonderen Premiere dann doch noch mal vor der Neuen Nationalgalerie. „Es gibt auf der Welt kein anderes Museum, mit dem wir das gemacht hätten.“ Dann schließt er seine Ausführungen mit der Untertreibung der Woche: „Danke, dass wir hier sein dürfen.“

Die Gäste, die sich jetzt in Gruppen aufmachen, um an Vincent von Goghs „Sternennacht“ vorbeizupilgern, an Salvador Dalis zerlaufenden Uhren, an Rodin, Matisse, Monet, Chagall und natürlich Andy Warhol, sind wohl auch dankbar, dass sie da sein dürfen. Schließlich sind es Werke, die fast alle tief im Bewusstsein verankert sind, und sie sind, wie Gary Smith lobt, sehr schön luftig gehängt.

Kennzeichnend für den modernen Menschen ist auch der Termindruck, nicht nur die Einsamkeit, die Leere, die aus vielen Bildern spricht. Oft findet er nur in der Fremde Zeit, sich intensiv mit Kunst zu befassen, weil zu Hause schlicht die Zeit fehlt. US-Botschafter Dan Coats steht da, zusammen mit Frau Marsha, versunken in Edvard Munchs „Der Sturm“ und ist gleichzeitig ein Symbol für die Gnade, die ein abwechslungsreicher Terminkalender eben auch bedeuten kann. Es ist sein erster MoMA-Besuch überhaupt. „Bisher habe ich es nie geschafft“.

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