Berlin : Die Allerschönste

Mit einer Mischung aus Grandezza, Eleganz und Lässigkeit feierten die Italiener die Eröffnung ihrer Botschaft. Die innenarchitektonischen Details sind so schön, dass viele der 600 Gäste Erinnerungsfotos machten

Elisabeth Binder

Für Massimo Mannozzi ist es wirklich ein Freudentag. Eigens zur Eröffnung der neuen italienischen Botschaft hat der Besitzer des alteingesessenen Ristorante Bacco für einen Tag seine Sommerresidenz in der Toscana verlassen, hat stolz sein Bundesverdienstkreuz zum dunklen Anzug angelegt und steht nun ans Geländer gedrängt, um den Aufmarsch der 600 Ehrengäste zu begutachten, die über die mit einem roten Teppich bedeckte Treppe kommen: Alt-Kanzler Helmut Kohl, die Präsidentin des Diplomatenclubs Welcome in Berlin, Annemarie Ziefer, der Doyen des Diplomatischen Corps, Giovanni Lajolo, der Leiter des italienischen Kulturinstituts Ugo Perone, Innenminister Otto Schily und der Chef des Bundespräsidialamts Rüdiger Frohn. Botschafter Silvio Fagiolo grüßt nach allen Seiten, während er auf die Präsidenten wartet.

Mit der Einladung war eine charmante Pünktlichkeitsübung verbunden. Ursprünglich sollte die Eröffnung um 11 Uhr stattfinden, war aber kurzfristig auf 12 Uhr verlegt worden. Für exakt 12.37 Uhr war laut Programm die Ankunft des Präsidenten der Italienischen Republik Carlo Azeglio Ciampi samt Gemahlin vorgesehen. Jener in Berlin ansässige Römer, der sehr exakt um 12.36 Uhr über den roten Teppich eilte, entlockte mit seinem aus italienischer Sicht perfekten Timing Mannozzi einen Seufzer der Anerkennung: „Ahhh, ein echter Gentleman.“

Inzwischen hatte die Garde des Präsidenten vor dem Salone delle Feste Aufstellung genommen, wirklich lange Kerls, die mindestens 1,90 m groß sein müssen und dafür dekorative weiße Uniformjacken tragen dürfen und aufwändige goldene Helme mit schwarzen Pferdeschwänzen dran.

Mannozzi klebt immer noch am Geländer und erinnert sich, wie er Ende der 60er Jahre in dem damals teils als Generalkonsulat genutzten, teils verfallenen Gebäudes gelegentlich Bankette vorbereitet hat. Wie die Italiener irgendwann das Gebäude verkaufen wollten, mit dessen Bau 1938 begonnen worden war, das aber 1943 von Bomben getroffen und für den Zweck nie genutzt wurde. Das alles weiß er genau, weil die letztlich gescheiterten Verhandlungen zum Teil in seinem Restaurant stattgefunden haben, mit dem er vor 35 Jahren als erster die gehobene italienische Küche nach Berlin gebracht hat.

Er verstummt erst, als auf einem rotsamtenen Podest die Präsidentenpaare Aufstellung genommen haben. Christina Rau hat, vielleicht als Verbeugung vor den hohen ästhetischen Standards, der Gastgeber ein Ton in Ton zur rosa Fassade passendes Kostüm gewählt. Die italienische Nationalhymne singt Mannozzi aus voller Kehle mit.

Präsident Ciampi bezeichnet in seiner Rede die Botschaft als „Teil des Wiederaufschwungs der Stadt Berlin“. Das „imposante und jetzt auch funktionale Gebäude“ vermittle ihm „nicht das Belastende der Vergangenheit, sondern die Begeisterung für die Herausforderungen der Zukunft“. Johannes Rau spricht von einem „glanzvollen Haus“, einem Haus, das nicht einschüchtert, sondern einlädt: „Von diesem Haus werden wichtige historische Impulse ausgehen für die deutsch-italienische Freundschaft.“

Die Präsidenten ziehen sich nach halbstündigem Festakt, zu dem auch die Enthüllung einer Gedenktafel gehört, zum Mittagessen im kleinen Kreis zurück; auf sie warten Hummer in Teigtaschen, Kalbsmedaillons und Zitronensorbet. Die vier roten Thronsessel im Salone delle Feste, deren malerische Grandezza den Protokollchef des Bundespräsidialamts, Martin Löer, einen Moment sinnend verweilen lässt, stehen verwaist, ein Paar lässt sich im Nebenraum an dem schönen Brunnen fotografieren, andere besichtigen das Amtszimmer des Hausherrn mit den englischen Büchern im Regal und den patriotisch grünen Vorhängen. Der innenarchitektonische Feinschliff hat die Eröffnung lange verzögert. Dafür kommt aber auch aus tiefem Herzensgrund, was Mannozzi, der in Berlin einst eine zweite Heimat fand, zum Abschied sagt, bevor bei Kirschen, Quiche und Prosecco alle Gäste durcheinander reden: „Es ist bestimmt die allerschönste italienische Botschaft auf der ganzen Welt.“

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