• Die Altarplatte der 1985 abgerissenen Versöhnungskirche kehrt in die Kapelle an der Bernauer Straße zurück

Berlin : Die Altarplatte der 1985 abgerissenen Versöhnungskirche kehrt in die Kapelle an der Bernauer Straße zurück

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Gestern war ein großer Tag für den Pfarrer der evangelischen Versöhnungsgemeinde, Manfred Fischer. Der Gemeinde wurde in Anwesenheit von Staatssekretär Rolf Stimmann (SPD) und dem Leiter des Landesdenkmalamtes, Jörg Haspel, die historische Altarplatte der Versöhnungskirche zurückgegeben. Sie wurde bisher von den Denkmalschützern aufbewahrt und findet jetzt einen Platz in der im Bau befindlichen neuen Kapelle.

Der Rohbau steht exakt an der Stelle, an der sich früher die Versöhnungskirche befand. Sie wurde im Januar 1985 gesprengt, weil sie den DDR-Grenztruppen bei der Ausweitung des Todesstreifens zwischen den Bezirken Mitte und Wedding im Weg stand. Dazu kam es, nachdem die evangelische Gemeinde Wedding 1983 ein unglückliches Tauschgeschäft mit dem evangelischen Konsistorium (Ost) gemacht hatte. Das Grundstück der Versöhnungskirche wurde gegen eines der Neubaugebiete in Hohenschönhausen eingetauscht. Pfarrer Manfred Fischer und die Versöhnungsgemeinde hatten nicht damit gerechnet, dass die Kirche abgerissen werden könnte.

Glücklicherweise konnten vor der Sprengung einige wertvolle Stücke des 1894 errichteten Gotteshauses gerettet werden, darunter die Kirchenglocken und Gebäudeteile, wie die Altarplatte und kunstvolle Sandsteinkapitelle. Die Glocken wurden an einem Gerüst vor dem Neubau aufgehängt und läuten seit einigen Jahren wieder. Sie könnten in dem Neubau, der keinen Kirchturm erhalten soll, nicht untergebracht werden. Anders die Altarplatte. Sie wurde auf den Boden der neuen Kapelle gelegt, darauf soll dann eine Holzkanzel gestellt werden, von der Pfarrer Fischer aus predigen wird.

Das neue Gebäude, für das am 9. November Richtfest ist und das nächstes Frühjahr fertiggestellt sein soll, bricht mit der Tradition und bewahrt sie zugleich: Die Wände der Kapelle bestehen aus gepresstem, braunem Lehm, der aber mit Steinsplittern aus Überresten der alten Kirche versetzt ist. "Lehm bietet den Vorteil, dass er ein gesundes Raumklima schafft und die Feuchtigkeit reguliert, aber auch ganz individuelle Gestaltungsmöglichkeiten zulässt" sagte Architekt Peter Sassenroth. Auch der Künstler und Lehmbauer Martin Rauch, der die Lehmaufschüttung und Pressung der 60 Zentimeter dicken Wände leitet, sieht in der sieben Meter hohen Kapelle mehr als nur einen Zweckbau: "Es ist zugleich eine Skulptur". Der ungewöhnliche ovale Bau soll einmal Platz für 100 Menschen bieten.

Beim Aushub des Fundaments wurde ein historischer Keller der alten Kirche mit einem 1961 zugemauerten Eingang und ein Bombenblindgänger gefunden. "Besser kann man die Geschichte dieses Ortes gar nicht illustrieren" sagte Fischer. "Dennoch soll dies ein aktiver Gemeindeort und nicht nur eine Denkmalpflegestätte sein". Die Finanzierung des rund 1,9 Millionen Mark teuren Baus ist allerdings noch nicht noch nicht vollständig gedeckt: Rund 600 000 Mark fehlen der Gemeinde noch. Deshalb will Pfarrer Fischer einige Steine der alten Versöhnungskirche von Künstlern bearbeiten lassen und sie dann verkaufen.

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