Berlin : Die alten Wilden

Lars von Törne

Wer in der Vergangenheit das Auf und Ab linksrevolutionärer Bewegungen verstehen wollte, konnte sich auf Winston Churchill verlassen. Der hatte einst befunden: „Wer mit 20 kein Kommunist ist, hat kein Herz. Wer mit 30 noch Kommunist ist, hat keinen Verstand.“ Die Berliner WASG, unter den Parteien wohl die mit dem derzeit größten linksrevolutionären Elan, hat sich am Wochenende aufgemacht, nicht nur die deutsche Politik aufzumischen. Sondern sie widerlegte auch Herrn Churchill, indem sie das umstürzlerische Potenzial des Alters propagierte. Als Tagungsort für ihren Landesparteitag hat sie sich nämlich nicht etwa eine Jugendherberge ausgesucht, wie noch beim letzten Parteitag. Auch das symbolträchtige „Energieforum“ hat sie gemieden, in dem die Genossen von der PDS regelmäßig auftanken. Stattdessen hat die WASG sich ausgerechnet das Seniorenheim in der Kreuzberger Stallschreiberstraße als Ort ausgesucht, von dem aus sie dem Establishment den Kampf ansagt. Je oller, je doller, haben sich die Parteitagsmanager wohl gedacht. Vielleicht stand auch einfach ein altes deutsches Sprichwort Pate: Alter schützt vor Torheit nicht.

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