Berlin : Die anderen Gesichter - Claudia Okoneks Fotografien im Berliner Völkerkundemuseum

Elfi Kreis

Begonnen hatte alles wie ein gewöhnlicher Urlaub. Claudia Okonek kaufte eine gebrauchte Profikamera und fuhr in den Süden Tunesiens. Vier Jahre ist sie geblieben, in denen sie das Land von der Insel Dscherba bis zu entlegenen Bergdörfern, vom Schott Djerid bis zur Sandwüste Sahara bereiste. Ausgerechnet in der Touristen-Hochburg Dscherba entdeckte sie die anderen Gesichter des Landes und fotografierte sie. Der Titel ihrer aus diesen Bildern zusammengestellten Ausstellung lautet "al inssan", was schlicht und einfach "Mensch" bedeutet.

Nicht dem modernen Tunesien in Großstädten wie Tunis, sondern dem traditionellen Leben der einfachen Menschen in ländlichen Regionen und am Rande der Wüste ist Okonek auf der Spur. Sie zeigt alte Berberfrauen mit tätowierten Gesichtern, Händler in der Oasenstadt Douz, Höhlenbewohner in den unterirdischen Lehmbauten von Matmata. Die Fotografin kombiniert einen dokumentarischen Ansatz mit malerischer Bildauffassung. Die Farbaufnahmen bearbeitete sie anschließend digital. Die Hürde des islamischen Bilderverbots zu überwinden, war nicht immer einfach. Es gelang ihr vor allem, zur familiären Welt der Frauen Zugang zu finden, und so entstanden einfühlsame Porträts und präzise Situationsbeschreibungen ihres Alltags. Das Völkerkundemuseum ergänzt die Sonderschau mit tunesischem Kunsthandwerk aus eigenen Beständen. Glanzstück ist ein traditionelles Männergewand aus gelber Moiréseide. Ein Arzt kaufte es 1894 im Basar von Tunis und machte es einem Freund zum Geschenk. Dieser trug es auf einem Kostümfest. Auch er war später, auf seiner eigenen Tunesienreise, fasziniert von dem Land des Lichts. Sein Name: Paul Klee.Museum für Völkerkunde, Lansstr. 8, bis 30. Januar 2000; Dienstag bis Freitag 10-18 Uhr, Sonnabend und Sonntag 11-18 Uhr.

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