Berlin : Die Angst vorm Anstieg

Das größte Berliner Radteam enttäuscht bei der Bergmeisterschaft

Ingo Schmidt–Tychsen

Sascha Lutz glaubt zu wissen, weshalb so wenig Radprofis in Blumberg sind. „Die meisten trauen sich nicht, haben Angst, von Amateuren geschlagen zu werden“, sagt der Sprecher des größten Berliner Rennstalls Team Winfix Techem. „Der Stellenwert des deutschen Bergmeister-Titels ist zu gering, um das Risiko einer Blamage einzugehen. Die jungen Amateurfahrer sind motiviert und gehen hohes Tempo.“

Sieben bezahlte Sportler vom Berliner Team trauten sich dennoch zur Bergmeisterschaft nach Blumberg an den Bodensee. Darunter Zugang Björn Reuss, der dieses Rennen im vergangenen Jahr für das Team Wiesenhof Leipzig gewann. Damit wurde die Bergmeisterschaft der Männer fast zu einer Berliner Angelegenheit. Insgesamt kamen lediglich 30 lizensierte Profis. Und obwohl die Profis ihren eigenen Bergmeister ermitteln sollten, mussten sie gemeinsam mit rund 80 Fahrern unter 23 Jahren an den Start gehen. Das ergab eine interessante Kombination: Für jeden Lizenzfahrer ist es eine Schmach, die Ziellinie nach einem Amateur zu überqueren.

Überraschenderweise gewann tatsächlich ein Amateur: Der 22-jährige Markus Fothen vom Team Köstritzer ließ nicht nur alle U-23-Fahrer, sondern auch die Profis hinter sich. Damit holte er sich die Titel in beiden Klassen. Die Veranstalter mussten somit statt fünf nur noch vier Titel vergeben.

Die Männer mussten den elf Kilometer langen Rundkurs insgesamt zehn Mal fahren. Pro Runde hatten die Radsportler fast 250 Höhenmeter zu bewältigen. An einigen Stellen betrug die Steigung bis zu 18 Prozent. Bei derartigen Anforderungen hatte natürlich kein Fahrer auch nur ein Gramm zuviel an seinem Rad. Die leichtesten Rahmen und Laufräder wurden ausgepackt, um dem zulässigen Minimalgewicht von 6,8 Kilogramm möglichst nahe zu kommen. Trotz des leichten Rads reichte es für den Berliner Vorjahressieger Reuss nur zu Rang 20.

Auch für den Berliner Linus Gerdemann lief es nicht besser. Für den U-23-Fahrer war das Rennen um die deutsche Meisterschaft gleichzeitig das letzte der acht Rad-Bundesligarennen. Vor dem Wettkampf am Sonntag führte Gerdemann die Bundesliga an. Sein Vorsprung war allerdings so komfortabel, dass selbst der 19. Platz in Blumberg für den Sieg in der Gesamtwertung reichte. Doch wurde der 21-jährige Berliner nach dem Rennen von Bundestrainer Peter Weibel nicht für die Anfang Oktober stattfindenden Straßen-Weltmeisterschaften in Kanada nominiert. Der Berliner Teamsprecher Sascha Lutz sagte: „Das haben wir uns alles anders vorgestellt.“

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