Berlin : Die Arbeitsgemeinschaft 13. August rennt gegen Holzhäuschen am Checkpoint Charlie an

Holger Wild

Friede den Hütten? Nicht im Herzen Berlins, genauer am Checkpoint Charlie. Dort organisiert jetzt die Arbeitsgemeinschaft 13. August den Streit wider eine Handvoll Holzbuden mit volkstümlichem Angebot: Höchst unangemessen seien sie an dieser Stelle, wo sich Panzer gegenüberstanden, wo Peter Fechter verblutet sei. Daran erinnerte Alexandra Hildebrandt auf einer Protestveranstaltung der Arbeitsgemeinschaft am Freitag. Der berühmteste Grenzübergang des geteilten Berlins bedeute „für alle Weltbürger die Freiheit“, so Hildebrandt, die mit ihrem Mann Rainer der AG 13. August vorsitzt und das Museum Haus am Checkpoint Charlie betreibt. Deshalb dürfe dort kein Jahrmarkt mit „lächerlichen Hütten“ aufgebaut werden; es sei eine Schande.

Die ersten Buden aber stehen schon. Der Dinkelsbühler Unternehmer Gerhard Fischer lässt sie wie berichtet auf der Brachfläche des früheren Grenzüberganges aufbauen, um dort am 7. März eine „Drehorgelgasse“ zu eröffnen: Eine Art Nikolaiviertel aus Spanplatten, wo nicht nur „Souvenirs, Geschenkideen, Antikartikel“ verkauft werden, sondern auch die „weltgrößte Wanderausstellung handgefertigter Metallobjekte für Einrichtung, Dekoration und Garten“ das Publikum locken soll. Dazu wird Drehorgelmusik dargebracht; zudem gibt es Ess-Stände.

„Absolut unwürdig für diesen Ort und die Geschichte Berlins“, geißelte auch der stellvertretende Landesvorsitzende der CDU, Kai Wegner, die Holzhäuschen. Heinz Buri von der Berlin Tourismus Marketing GmbH sagte, Berlin-Besucher kämen nicht wegen eines Rummels nach Berlin, sondern um die historischen Orte auch der Teilung zu sehen. Und Rainer Boldt von der Interessengemeinschaft der Gewerbetreibenden der Friedrichstraße erklärte es für „kontraproduktiv“ für das Bild der Straße, wenn am Checkpoint Charlie „die Provinz Einzug hält“.

Doch das Grundstück, wo der Investor Abraham Rosenthal irgendwann ein Bürohaus errichten will, es wegen der Flaute auf dem Immonilienmarkt aber bisher nicht tat, ist Privateigentum, und der Bezirk Mitte sah keine rechtliche Möglichkeit, gegen die Verpachtung an Budenbesitzer vorzugehen.

Deshalb wollen Hildebrandt und ihre Mitstreiter nun Sponsoren suchen – um das Grundstück zu kaufen. Dann soll ein Checkpoint-Charlie-Platz“ gestaltet werden: Mit einer Nachbildung der New Yorker Freiheitsstatue im Zentrum.

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