Berlin : Die Architekten sind die Verlierer

Der Präsident der Technischen Universität nutzt den Spardruck zur Strukturreform: Es soll statt acht nur noch sieben Fakultäten geben

Uwe Schlicht

Seit Wochen hat die Technische Universität den schlimmsten aller Fälle dramatisch herausgestellt: In ihren wichtigsten Fächern, den Ingenieur- und Naturwissenschaften, müsste sie die Studiengänge derart beschneiden, dass es zu Zulassungssperren kommen würde. Sie reagierte damit auf die Planungsvorgaben von Wissenschaftssenator Thomas Flierl (PDS), der von der TU mit 29 Millionen Euro den höchsten Sparbeitrag von allen drei Universitäten verlangt hatte. Die reale Belastung wäre sogar um zehn Millionen Euro höher, weil die TU, wie die anderen Universitäten auch, den Ausbau der Fachhochschulen mitfinanzieren muss, einen Unterstüzungsbeitrag für die weitere Existenz der Kunsthochschulen zu leisten und Aufwendungen für die Altersversorgung ihrer beamteten Wissenschaftler aufzubringen hat.

Wenn am Mittwoch TU-Präsident Kurt Kutzler mit seinem Plan für die neue Struktur der TU in den Akademischen Senat geht, kann er darauf verweisen, dass er den „worst case” vorerst verhindert hat. Kein Studiengang, der für die Technische Universität in den Natur- und Ingenieurwissenschaften Profil bestimmend ist, steht auf der Streichungsliste. Natürlich ist der Verzicht auf so große Studiengänge wie Volkswirtschaft, Betriebswirtschaft und Psychologie schmerzhaft, aber diese Studiengänge werden in Berlin mehrfach angeboten.

Obwohl die Technische Universität ihre neue Struktur nur auf einem Sparbeitrag von 22 Millionen Euro plant, rechnet sie wegen der Aufwendungen für die Pensionen und die Fachhochschulen mit einem realen Sparbeitrag in Höhe von 32 Millionen. Das führt zum Verlust von 47 Professuren und einer Fakultät. Künftig wird die TU nur noch sieben Fakultäten haben. Wegen der Streichung bei den Architekten wird das Fach zu klein für eigene Fakultät. Da aber in Berlin Architekten auch an den Fachhochschulen und der Universität der Künste ausgebildet werden, hat sich die TU zur Zusammenführung von Architektur und Bauingenieurwesen entschlossen. Das Bauingenieurwesen ist ein bedeutendes Fach, befindet sich aber seit Jahren in der Krise. Die personelle Erneuerung – acht von elf Professoren scheiden im nächsten Jahr aus Altersgründen aus – soll genutzt werden, um die Bauingenieure in der Forschung nach oben zu bringen.

Die TU nutzt die Gunst der Stunde, um zu einer echten Strukturreform vorzustoßen. Die Zuordnung der Naturwissenschaften zu den Ingenieurwissenschaften war schon 1998 gescheitert. Jetzt wird mit der Chemie begonnen, die aus der alten naturwissenschaftlichen Fakultät ausgegliedert und den Prozesswissenschaften und der Umwelt zugeordnet werden soll. Die Mathematik bleibt mit der Physik zusammen. Beide Disziplinen nehmen herausragende Positionen im Leistungsvergleich ein. Eines der wenigen Kompetenzzentren, die die Deutsche Forschungsgemeinschaft bisher an Spitzenuniversitäten vergeben hat, ist an der TU bei der Mathematik angesiedelt.

Eine offene Frage ist das Schicksal der Lehrerbildung. Kutzler wollte sie schon früher aufgeben, wurde daran jedoch von sozialdemokratischen Abgeordneten gehindert. Der TU-Präsident wartet jetzt auf eine Vorgabe durch die Politiker, wie die Lehrerausbildung in Zeiten des Pisa-Schocks zwischen den Unis verteilt werden soll. Würde die TU die Lehrerbildung aufgeben, könnten in der geisteswissenschaftlichen Fakultät zu den schon vorgesehenen acht Professuren weitere acht auf die Streichungsliste gesetzt werden. Das würde weitere sechs Millionen Euro erbringen. Am Ende könnte die TU doch mehr als 22 Millionen Euro sparen. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hat schon angedeutet, dass er der widerspenstigen TU nicht einen Teil der Sparsumme erlassen will.

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