Berlin : Die Aubis-Manager erwartet kein kurzer Prozess

In Moabit beginnt das Verfahren gegen Wienhold und Neuling

Fatina Keilani

Wenn sich am heutigen Dienstag um 9 Uhr die Türen des Saals 700 im Moabiter Kriminalgericht öffnen, wird das Gedränge groß sein. Es beginnt der erste große Prozess zum Bankgesellschafts-Skandal. Vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts müssen sich die Geschäftsführer der Immobilienfirma Aubis, Christian Neuling (61) und Klaus Wienhold (54), wegen Betruges verantworten. Mit ihnen stehen Manfred P. (58) und Sven A. (36) wegen versuchten Prozessbetrugs vor Gericht. Die Initiative Berliner Bankenskandal um den FU-Professor Peter Grottian rief am Montag erneut die Berliner auf, ins Gericht zu kommen.

In einem Flugblatt kritisierte das Bündnis, das Gericht habe den Prozess in einem kleinen Raum angesetzt und so die Öffentlichkeit weitgehend ausgeschlossen. Eine eigene Urteilsbildung der Bürger werde damit „systematisch“ verhindert. Auch deshalb sei eine „wachsame Prozessbeobachtung“ durch die Bürger nötig. Diese Behauptungen stimmen aber nur bedingt. Der Saal 700 ist nämlich der größte, den es in Moabit gibt. Er hat 70 Plätze. Davon sind in der Tat 32 für akkreditierte Journalisten reserviert. Somit bleiben 38 Plätze für die interessierte Öffentlichkeit.

Die Angeklagten Wienhold und Neuling gelten als Schlüsselfiguren der Berliner Parteispenden- und Bankenaffäre, in deren Folge 2001 die große Koalition zerbrach. Ihnen wird Betrug zu Lasten der BerlinHyp vorgeworfen. Mit einer Barspende von rund 20000 Euro an die CDU, die Wienhold dem damaligen Vorstandssprecher der BerlinHyp, seinem Parteifreund Klaus Landowsky, überreichte, war der Skandal ins Rollen gekommen. Nach der Spende waren der Firma Aubis weitere Kredite für den Ankauf von Plattenbauten endgültig bewilligt worden.

In der 81 Seiten umfassenden Anklage gegen das Geschäftsführer-Duo geht es um den Verdacht, dass die Manager gemeinsam mit dem Leipziger Wärmelieferanten Elpag Sanierungsgesellschaften um Millionensummen betrogen haben sollen. Staatsanwalts-Sprecher Frank Thiel sagte, in den Ermittlungen hätten die Angeschuldigten die Vorwürfe bestritten. Anklage war bereits vor zwei Jahren erhoben worden.

Laut Anklage wollten Neuling und Wienhold einen erheblichen Teil der Elpag-Gewinne, die durch überhöhte Energiepreise anfielen, für ihr Unternehmen abzweigen. Der Prozess gegen die Aubis-Verantwortlichen wurde mit einem Verfahren gegen zwei Elpag-Verantwortliche zusammengelegt. Neuling und Wienhold hatten in der Zwischenzeit auch in U-Haft gesessen. Nachdem die Haftbefehle gegen sie aufgehoben wurden, sind sie wieder auf freiem Fuß. Mit einem kurzen Verfahren wird nicht gerechnet. Das Gericht hat für den Prozess bisher 20 Verhandlungstage anberaumt.

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