Berlin : Die Aubis-Manager wollten nicht mehr schweigen

Bankenskandal: Wegen Betruges zu Lasten der Berlin Hyp stehen Wienhold und Neuling vor Gericht – und machen der Bank schwere Vorwürfe

Kerstin Gehrke

Klaus Wienhold hatte für seine Aussage ein umfangreiches Papier vorbereitet. Mit Empörung in der Stimme trug er seine Erklärung vor. „Ich habe gemeinsam mit Christian Neuling ein innovatives Unternehmen aufgebaut, was uns sukzessive genommen wurde“, sagte er gestern vor dem Berliner Landgericht. Er habe niemanden getäuscht oder geschädigt. „Wir hatten weder das Ziel noch den Wunsch, uns zu Lasten anderer zu bereichern“, wies Wienhold die Vorwürfe der Anklage zurück.

Als der Prozess vor zwei Wochen begann, hatten die Angeklagten geschwiegen. Nun sprach erst Wienhold, dann Neuling. Die beiden Manager der Immobilienfirma Aubis gelten als Schlüsselfiguren der Berliner Banken-Affäre. Die Staatsanwaltschaft wirft den 54 und 60 Jahre alten Aubis-Chefs gemeinschaftlichen Betrug und Betrugsversuch vor. Sie sollen mit Hilfe des Leipziger Wärmelieferanten Elpag durch überhöhte Wärme-Abrechnungen einen Millionenschwindel zum Nachteil der Bankgesellschaftstochter Berlin Hyp eingefädelt haben. Mit den beiden Aubis-Managern stehen der 58-jährige Manfred P. und der 36-jährige Sven A. wegen versuchten Prozessbetruges vor Gericht. Wienhold ließ seinen selbstsicheren Blick durch den Saal 700 schweifen. Anders als am ersten Verhandlungstag aber waren die Zuhörer- und Pressebänke fast leer. Fast wirkte Wienhold, der Ex-Polizist mit Erfahrung als CDU-Politiker, enttäuscht. Hatte er doch schwere Geschütze vorbereitet, die am Ende seiner fast dreistündigen Erklärung vor allem die Bank treffen sollten. „Die Bank hatte nicht wirklich vor, sich vertragsgerecht zu verhalten. Die waren auf Krach aus“, schimpfte er und warf der Berlin Hyp sogar vor: „Sie verschuldete unsere Objekte.“ Die Bank wollte sich gestern dazu nicht äußern.

Dabei hatte alles einvernehmlich begonnen zwischen Aubis und der Berlin Hyp. Die Immobilienfirma wickelte Anfang der Neunzigerjahre den Kauf von ostdeutschen Plattenbauten über Kredite von der Berlin Hyp in Höhe von rund 300 Millionen Euro ab. Etwa 14000 Wohnungen gehörten zum Bestand der Aubis, als die Unternehmensgruppe im Frühjahr 1999 in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Die Bank sprang noch einmal ein und vereinbarte mit Wienhold und Neuling ein Sanierungskonzept.

Die Staatsanwaltschaft geht nun davon aus, dass die beiden Aubis-Manager dabei wahrheitswidrig behauptet haben, der Leipziger Energiedienstleister Elpag sei ein von Aubis unabhängiges Unternehmen. Mit überhöhten Heizkosten sollen die beiden Manager kräftig Gewinne gemacht und die Berlin Hyp um 800000 Euro betrogen haben. „Ich bin und war nicht an der Firma Elpag beteiligt“, erklärte Neuling. „Wir hatten keinen rechtlichen oder wirtschaftlichen Einfluss auf Elpag“, sagte Wienhold. Die Wärme-Preise der Elpag seien eingehend mit denen von zwei Mitbewerbern verglichen worden und seien marktgerecht gewesen. Zu den späteren Vorwürfen sei es gekommen, weil die Bank versucht habe, die langfristigen Verträge mit der Elpag zum Scheitern zu bringen. „Sie scheuen auch nicht vor Kriminalisierung zurück“, warf Wienhold der Bank vor.

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