Berlin : Die Aufpasserin

Mittes Baudezernentin Dorothee Dubrau scheut keinen Streit – und bremst manche Investoren aus

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Streiten ist ihr Geschäft. Sie legt sich mit Parteien und Konzernen an, weil deren Großplakate ihre ästhetische Vorstellung vom Stadtbild stören. Sie will die Kicker nicht mehr vor dem Reichstag sehen und sie sagt Investoren und Architekten – wie im aktuellen Fall – geradewegs, was sie von deren Plänen hält: gar nichts. Dabei tritt Dorothee Dubrau, 49, Stadträtin für Stadtplanung im Bezirk Mitte, nicht auf wie jemand, der auf Streit aus ist. Ohne Hut sieht man sie selten, auch im Sommer trägt sie bevorzugt schwarz und ihre Kleider sind durchweg lang.

Ihren Alltag sieht die diplomierte Architektin so: „Ich kämpfe mit den Mühen der Ebene.“ Die Berge liegen lange hinter ihr. Vor 14 Jahren beginnt die Ochsentour, als sie zum ersten Mal am Schreibtisch der Baustadträtin von Mitte Platz nimmt: RosaLuxemburg-Straße, Altbau, Hinterhaus, mit einer Schrankwand im Büro und Schnapsgläsern in der Vitrine. Sie, die für die behutsame Stadtreparatur eintritt und dafür, dass vor allem die Bürger entscheiden, wie sich die Stadt verändert, findet damals auf ihrem altersschwachen Schreibtisch Türme von Bauanfragen vor, die einen ganz anderen Weg vorzeichnen. Investoren, Senat und Bundesregierung glauben damals, dass Berlin an seine glorreichen Tage als glitzernde Metropole anschließen wird. Milliarden sollen verbaut werden. Vor allem in Mitte.

Sie ist nicht so euphorisch. Doch damals wird die zögerliche Stimme aus Mitte nicht gern gehört. Sie zieht gegen Bauherren zu Felde, bockt gegenüber dem Senat, der ihr immer öfter Entscheidungen aus der Hand nimmt. Zwei Mal wird sie teilweise entmachtet. Das zweite Mal ist in Prenzlauer Berg, wo sie ab 1996 den Job als Baustadträtin macht. Sie will partout kein Multiplexkino in der Kulturbrauerei genehmigen. Im Ring steht sie Thilo Sarrazin gegenüber, damals Chef des Projektentwicklers TLG, heute Finanzsenator – und verliert. Das nimmt ihr nicht den Schwung, sich auch mit Bausenator Peter Strieder (SPD) anzulegen. Die Öffentlichkeit kann sicher sein: Mit Strieders Vorschlägen ist bei Dubrau kein Blumentopf zu gewinnen. Das hat sich nach Strieders Rücktritt geändert. Jetzt scheinen Senat und Bezirk auf einer Linie, Dubrau lobt Strieders Nachfolgerin Ingeborg Junge-Reyer über den grünen Klee, schon bevor diese im Amt ist.

Bei ihrer grünen Parteibasis ist sie beliebt, bei Anwohnervertretern populär. Sie ist zum zweiten Mal verheiratet, hat drei eigene Kinder großgezogen, eine Pflegetochter aufgenommen, steckt dennoch viel Zeit in ihren Job. So viel, dass sie ihrem Chef, dem Bürgermeister und CDU-Landesvorsitzenden Joachim Zeller, immer wieder die Schau stiehlt. oew

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