Berlin : Die Bär-Wolf-WG

Der Zoologische Garten will im Dezember ein neues Kombi-Gehege für die beiden Tierarten eröffnen

Annette Kögel

In freier Wildbahn rücken sie sich nur selten auf den Pelz. Im Berliner Zoo werden sie bald Bewohner eines gemeinsamen Freigeheges sein: Bären und Wölfe. Seit Pfingsten schon laufen die Vorbereitungen für das außergewöhnliche Kombi-Gehege im Zoo – im Dezember nun sollen Braunbären und weiße Wölfe erstmals gemeinsam auf einem Gelände ihren neuen Lebensraum erkunden. Zoo-Experten nennen so etwas Vergesellschaftung – was nichts anderes bedeutet, als dass man den Tieren das Leben so abwechslungsreich gestalten möchte wie möglich.

„Bären und Wölfe nutzen in der Natur gleiche Lebensräume“, sagt Zoo-Vizechef Heiner Klös. Teils haben die Wildtiere auch den gleichen Geschmack: Wölfe und Bären fressen gerne Beeren. Doch mitunter erlegen Wölfe auch Bären – und umgekehrt. Zumindest dann, wenn das Gegenüber kleiner, älter, verletzt oder wehrlos ist. Doch Tierfreunde brauchen keine Angst vor Kämpfen hinterm Graben zu haben, sagt Klös. „Wir werden die Tiere beobachten und gucken, wer zu wem passt.“

Auf gute Nachbarschaft – das braucht Zeit. Seit Oktober 2003 arbeiten die Zoo-Leute an der Umgestaltung des Geheges, pflanzen da einen Busch, säubern dort Sandsteinfelsen, reinigen hier den Wasserfall samt Plätscherbach und Badebecken. Schließlich sind aus vier einzelnen Gehegen – sie liegen gegenüber dem Kinderspielplatz gleich rechts neben dem Freigehege der Brillenbären – nun zwei große Gehege geworden. Rund 800 000 Euro kosten die Umbauten, sagt Klös. Das Geld hatte ein verstorbener Stammgast dem Zoo testamentarisch vermacht.

Seit ein paar Tagen nun gehen Wolf und Bär auf Tuchfühlung. Klös: „Vor einer Woche haben wir die Bären eingesperrt und die Wölfe das Gelände erkunden lassen.“ Die Wildtiere seien anfangs verunsichert gewesen, hätten das Revier aber gleich markiert. Wenn auch die Gegenbesuche gut verlaufen, können sich beide Seiten näher kommen. „Wir werden aber nicht alle vier Braunbären und das knappe Dutzend Wölfe zusammenbringen“, sagt der Zoo-Vize.

Sicher werde das Kombi-Gehege dem Zoo neugierige Kundschaft bescheren, bestätigt Klös. Doch für ihn ist die neue Anlage vor allem ein neuer Abschnitt in der Evolution Zoologischer Gärten. „Früher hat man Tiere gesammelt wie Briefmarken – von jeder Sorte eins.“ Dann brachte man ganze Gruppen gemeinsam unter. Und jetzt vereint man Arten, die auch in Freiheit miteinander können. Im Zoo leben beispielsweise auch Strauße, Zebras und Antilopen friedlich zusammen; oder Flusspferd, Enten und Fische; auch Kragenbär und Hauskatze haben eine WG.

Im Tierpark Friedrichsfelde grasen Watussi-Rinder und Schafe vereint sowie Antilopen und Hirsche. Dass es in Thüringen und Schwerin schon mal Probleme gab bei der Vereinigung von Bär und Wolf, versetzt Christian Matschei, Chef vom Dienst im Tierpark, nicht in Sorge. Es gab dort keine tätlichen Angriffe, sondern atmosphärische Verstimmungen. „Der Zoo macht so was nicht von heute auf morgen, und es funktioniert ja auch in anderen Tierparks.“ So gibt es genügend Höhlen, Büsche und Vorsprünge, damit sich die neuen Mitbewohner aus dem Wege gehen können.

Brillenbär Juan, als Ausreißer bekannt, wird die neuen Nachbarn im Übrigen von seinem alten Gehege aus beobachten. Für ihn hat der Zoo noch kein neues Zuhause außerhalb der Stadt gefunden.

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