Berlin : Die Bahn ist der größte Investor

Für den Ausbau Berlins werden mehr als zehn Milliarden Euro ausgegeben

Klaus Kurpjuweit

Die Bahn baut in Berlin einen neuen Hauptbahnhof, um den andere Metropolen die Stadt beneiden werden. Davon ist Bahnchef Hartmut Mehdorn überzeugt. Ob er seinen Gästen den Superbahnhof jedes Mal auch selbst zeigen kann, ist ungewiss. Möglicherweise zieht der Bahnvorstand ja nach Hamburg, wo es „nur“ den alten, aber sanierten Hauptbahnhof zu bestaunen gibt.

Mehdorn könnte dann auch nur aus der Ferne erzählen, wie der Bund und die Bahn seit der Wende den Knoten Berlin umgestaltet haben. Mehr als zehn Milliarden Euro werden sie am Ende dafür aufgebracht haben. In Hamburg könnte der Bahnchef, wie immer er dann auch heißen mag, nur Filme davon vorspielen oder in Broschüren blättern lassen.

Allein Berlins Hauptbahnhof, in dem sich zum ersten Mal die Ost-West-Strecke und die neue Nord-Süd-Verbindung kreuzen, wird mehr als 700 Millionen Euro kosten. Er gilt als Aushängeschild der Bahn. Neben dem Bahnhof ist nach dem städtebaulichen Wettbewerb auch ein Hochhaus vorgesehen, in das einmal der Bahnvorstand einziehen sollte.

Ein eigenes Zuhause hat die Unternehmensführung in Berlin noch nicht gefunden. Nach der Wende richtete der damalige Bahnchef Heinz Dürr Büros für den Vorstand in der früheren Stasi-Zentrale an der Ruschestraße in Lichtenberg ein. Nach und nach wurden dann immer mehr Stellen aus Frankfurt (Main) an die Spree verlagert. Im Jahr 2000 zog die Konzernspitze in den Sony-Tower am Potsdamer Platz. Wegen der hohen Miete liebäugelt die Bahn schon länger mit einem Neubau.

Bereits zu Beginn der 90er Jahre stellte die Bahn auch die Weichen für den Wiederaufbau des Bahnknotens Berlin, der durch die Teilung zerschnitten worden war. Für den Fern- und Regionalverkehr entsteht die unterirdische Nord-Süd-Verbindung mit den neuen Bahnhöfen Südkreuz (Papestraße) und Potsdamer Platz sowie dem umgebauten Nordkreuz in Gesundbrunnen. Einen neuen Bahnhof für mehr als 50 Millionen Euro gab’s außerdem in Spandau.

Differenzen um den Bau der Vorplätze am Hauptbahnhof und am neuen Südkreuz haben Mehdorn und Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) gestern ausgeräumt. So gibt es am Hauptbahnhof nun mehr Plätze für Busse, wie Mehdorn es gefordert hatte. Der südliche Platz kann zur Eröffnung Ende Mai 2006 fertig werden, der nördliche ist dann zumindest begehbar. Am Südkreuz hat der Bund zugesagt, die Kosten der Vorplätze zu übernehmen.

Zudem bauen der Bund und die Bahn das S-Bahn-Netz wieder auf. Fast alle Verbindungen, die seit der Mauer unterbrochen waren, sind wieder miteinander verbunden; die Ringbahn fährt im Kreis. Für die anderen Stecken läuft ein umfangreiches Sanierungsprogramm. Außerdem haben der Bund und die Bahn für rund eine Milliarde Euro tausend neue S-Bahn-Wagen gekauft. Die Bahn war und ist damit wohl der größte Investor in der Stadt geworden.

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