Berlin : Die Bahn wirbt fürs Umsteigen auf Mietautos

Die Kooperation mit dem Car-Sharing-Unternehmen Stattauto soll ausgeweitet werden. Mit der Bahn Card gibt es Rabatt

Jörn Hasselmann

Nach Fahrrädern nun Autos. Die Deutsche Bahn verlässt ihre eingefahrenen Gleise und plant in Berlin eine deutliche Ausweitung ihres Mietwagenangebotes. Ob die Mietwagen wie die „Call a bike“-Räder an beliebigen Straßenkreuzungen abgestellt werden oder ob die Zahl der Ausleihstationen drastisch erhöht werde, sei noch nicht klar, sagte Bahnsprecher Andreas Fuhrmann gestern.

Seit einigen Jahren kooperiert die Bahn in Berlin mit dem Car-Sharing-Unternehmen Stattauto. Dies unterhält 57 Stationen mit 180 Autos, die Besitzer der Bahn Card unter Tarif ausleihen können. Da die Deutsche Bahn durch ihre große Tarifreform am 15. Dezember eine starke Zunahme ihrer Bahn-Card-Kunden erwartet, würde die Zahl der Mietauto-Interessenten nach Ansicht der Bahn ebenfalls stark steigen, sagte Fuhrmann. Derzeit stagniert die Zahl der Bahn-Card-Besitzer seit Jahren bei drei Millionen. Ende 2003 rechnet die Deutsche Bahn indes mit fünf Millionen, denn die Bahn Card wird deutlich billiger – für Familienangehörige ist sie sogar fast umsonst zu haben. Die Kunden sollen ihre Bahn Card quasi als „Mobilitätskarte“ einsetzen, so will es die Bahn: Mit dem Mietwagen zum Abfahrtsbahnhof, dann per Zug zum Ziel und von dort mit Fahrrad weiter – zum Beispiel. „Die komplette Reisekette“ heißt das im Bahn-Werbedeutsch.

Schon jetzt bekommen Bahn-Card-Kunden Autos beim Verleiher Stattauto zu einem Vorzugspreis. Dazu muss eine einmalige Stattauto-Gebühr von 40 Euro (für Bahnkunden 2. Klasse) oder 20 Euro (1. Klasse) gezahlt werden. Dafür erhält der Bahn-Card-Besitzer einen elektronischen „Schlüssel“ in Form eines Zahlencodes, der in derzeit 22 Städten PS-Kräfte freisetzt. Stattauto bietet drei Fahrzeugkategorien an: „Mini“ (zum Beispiel Smart, Opel-Corsa), Mittel (VW-Golf) und Komfort (VW-Passat, Fiat Barchetta). Die Preise errechnen sich pro Stunde und Kategorie: 4, 5 oder 6 Euro. Bei jeder Ausleihe gibt es 500 Freikilometer, jeder zusätzliche Kilometer kostet 10 Cent. Für Benzin werden je nach Kategorie 8, 9 oder 10 Cent pro Kilometer abgerechnet.

Das Projekt „Call a bike“, das die Deutsche Bahn seit August in Berlin testet, pausiert ab Mitte Dezember. Die knapp 2000 rot-silbernen Fahrräder werden bis zum Frühjahr eingelagert, da das Ausleihinteresse bei schlechtem Wetter rapide abnimmt und der Unterhaltungsaufwand steigt. Die Ausleihe von Rädern und Autos müsse sich für die Bahn lohnen, so Bahnsprecher Fuhrmann.

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