Berlin : Die Berlin-Beschwörung

Am Potsdamer Platz wurde die Premiere des neuen Thrillers mit Matt Damon und Franka Potente gefeiert

Andreas Conrad

Der Reisepass ist offensichtlich eine Fälschung. Außen zwar authentisch im gedeckten Rot Europas, sogar die Leinenstruktur stimmt. Aber der Ausreisestempel aus Goa kann einfach nicht korrekt sein: 16. Oktober 2004.

Wer in der glamourösen Gegenwart zur Gala lädt, muss sich schon etwas einfallen lassen, um hervorzustechen . Im Falle von „Die Bourne-Verschwörung“ eben mit einer zum Pass mutierten Einladung ins Cinestar am Potsdamer Platz, um mit dem Produzenten Patrick Crowley und Regisseur Paul Greengrass, den Schauspielern Franka Potente und Karl Urban alias Killer Kirill und natürlich Hauptdarsteller Matt Damon die Deutschlandpremiere zu feiern. Außerdem dabei waren unter anderem Ex-US-Botschafter John Kornblum, Nina Hagen und Freund Rocco Breinholm, Comedian Oliver Kalkofe, Sänger Franz Zander mit Frau Evy, Moderatorin Minh-Khai Phan-Thi und Max Timm, Schauspielerin Gerit Kling mit Mann Stefan Henning, Mariella Ahrens mit Mutter Svetla und Mo Asumang, der auf dem roten Teppich ein Absatz abbrach.

Matt Damon war Anfang September schon in Berlin, um Fragen zu seiner Zeit in Berlin zu beantworten. Gestern war Regisseur Greengrass dran, der schon vorher auf Berlin sehr gut zu sprechen war: Bei der Berlinale 2002 gewann sein Nordirland-Drama „Bloody Sunday“ den Goldenen Bären. Und nach den Dreharbeiten schwärmt der Brite erst recht. Ein Drehort, das sei nicht einfach ein passiver Hintergrund. Es sei geradezu ein Charakter, der mit der Story, dem Filmteam in eine Beziehung treten müsse, ein „kreativer Mitspieler“. Und Berlin sei „sehr kreativ“ gewesen. Das hat Greengrass zurückgegeben, nicht einfach eine Fantasiestadt, sondern sein Berlin-Bild geschaffen, trotz aller Freiheiten im Detail. Natürlich war sein Ziel der Story entsprechend kein touristisches Klischee, sondern eine eher düstere Stadt.

Was ihn an Bourne interessiert hat? Zunächst, dass ein großer Hollywood-Film für ihn, den Independent-Dokumentarfilmer, eine Herausforderung bedeutete. Mit der Spezialität, dass der Film eine Fortsetzung war. Der von Gedächtnisverlust geplagte CIA-Killer war für ihn schon in „Die Bourne-Identität“ eine interessante Figur, keiner der üblichen Superhelden, sondern ein Mensch mit Zweifeln. Noch näher wollte der Regisseur an ihn heran, eine „emotionale Realität“ schaffen. Für Franka Potente als Marie war schon deshalb kein Platz mehr, ihr Tod unausweichlich. Auch die vielfach eingesetzte Handkamera erklärt sich dadurch: Greengrass wollte keine „wissende Kamera“, die in dem Zimmer, das Bourne betritt, schon wartet. Er wollte eine „reagierende Kamera“, die Bourne folgt und nie weiß, was als Nächstes passiert.

Ob es einen dritten Teil geben wird? Na klar, findet Greengrass: „Die Story verlangt danach, abgeschlossen zu werden.“

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