Berlin : Die Berliner Luft ist wieder über dem Feinstaub-Limit

Jahresgrenzwert noch früher überschritten als 2005 Lkw-Verbot in der Silbersteinstraße hilft nur wenig

Stefan Jacobs

Das Lkw-Fahrverbot hat die Silbersteinstraße in Neukölln nicht vor einem neuen Feinstaub-Rekord bewahrt: An 36 Tagen seit Jahresbeginn hat die dortige Luftmessstation mehr als 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft registriert. Damit wurde das zulässige Jahreslimit schon rund drei Wochen früher überschritten als im vergangenen Jahr. Bundesweit liegt die Straße auf Platz zwei hinter der Landshuter Allee in München. Auch die Frankfurter Allee in Friedrichshain liegt mit 35 Überschreitungen (Platz vier) schon am Limit.

Die Berliner Umweltverwaltung hält das Problem weiter für kurzfristig nicht lösbar. „Wir fühlen uns in unseren Analysen bestärkt“, sagt Manfred Breitenkamp, Leiter der Abteilung Umweltpolitik. Bei der Auswertung der Messdaten von 2005 aus der Silbersteinstraße habe sich gezeigt, dass die Feinstaubbelastung durch das Lkw-Fahrverbot um etwa drei Mikrogramm pro Kubikmeter gesunken sei. Das ist nach Ansicht von Breitenkamp schon relativ viel, weil nur etwa ein Fünftel des Feinstaubes überhaupt vom Straßenverkehr stamme. Der große Rest hat andere Ursachen – von Baustellen bis zu Hausheizungen.

Das Fahrverbot in der Silbersteinstraße habe also erwartungsgemäß gewirkt und im vergangenen Jahr Überschreitungen an vermutlich zehn bis zwölf Tagen verhindert, sagt Breitenkamp. Insgesamt lagen Silbersteinstraße und Frankfurter Allee 2005 an 72 Tagen über dem Grenzwert – Platz acht im bundesweiten Vergleich.

Nach Auskunft der Polizei missachten noch immer viele Lkw-Fahrer das seit Mai 2005 geltende Durchfahrverbot in der Silbersteinstraße. Weitere Maßnahmen hat der Senat bisher nicht umgesetzt.

Eine Linderung des Problems verspricht sich die Verwaltung erst von der für 2008 geplanten „Umweltzone“ mit Fahrverboten für alte Dieselautos innerhalb des S-Bahn-Ringes. Außerdem berät das Land eine neue deutsch-polnische Regierungskommission, die die Umrüstung polnischer Kraftwerke auf moderne Umweltstandards forcieren soll. Denn bei Hochdruckwetter mit Ostwind – wie es in diesem Januar vorherrschte – wird der größte Teil des Staubes von Polen nach Berlin geweht.

Deshalb hält sich auch das Umweltbundesamt mit Kritik an den Städten zurück. Wetter und Klima spielten eine große Rolle, sagt Marion Wichmann-Fiebig, Leiterin der Abteilung Luft. So habe Osteuropa auch wegen häufiger austauscharmer Wetterlagen ein großes Feinstaubproblem. Im trockenen Südeuropa sei der Anteil natürlicher Stäube höher. Besser sei Großbritannien dran – „wahrscheinlich, weil es dort so viel regnet“.

Nach einer neuen Studie der Universität Baltimore ist Feinstaub noch schädlicher als bisher vermutet. Besonders die extrem feinen Partikel, die beispielsweise aus modernen Diesel-Autos ohne Rußfilter geblasen werden, lösen Entzündungen aus und gelten als krebserregend. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland will am Mittwoch um 11 Uhr in der Silbersteinstraße für die Durchsetzung des Lkw-Verbotes und die Einrichtung der Umweltzone demonstrieren.

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