Berlin : Die Berliner Verkehrsbetriebe stehen vor einem radikalen Umbau

Klaus Kurpjuweit

Die BVG wird es in acht Jahren wahrscheinlich nicht mehr geben. Mit dieser Möglichkeit rechnet sie selbst, wie es in der neuen Mitarbeiter-Zeitung "BVG profil" heißt. Wenn das Unternehmen mit seinem Sanierungskonzept am Jahresende 2007 nicht wettbewerbsfähig sein sollte, "dann wird es die BVG in dieser Form nicht mehr geben", heißt es.

Der Betrieb sei in den nächsten acht Jahren zum Erfolg verurteilt. Mittel- und langfristig sichere Arbeitsplätze werde es bei dem Berliner Nahverkehrsunternehmen nur in der Fahrdienst-Tochter "Berlin Transport GmbH" geben, die im Juli gegründet wurde.

Bei "Berlin Transport" werden die Tarifeinkommen um etwa 30 Prozent gesenkt und die Arbeitszeit verlängert. Durch Überstunden soll es den Mitarbeitern aber möglich sein, mehr Geld zu verdienen. Den Wechsel von der unsicheren BVG zur sichereren Fahrdienst-Tochter soll eine Abfindung schmackhaft machen.

Im Gespräch sind Summen um die 80 000 Mark pro Mitarbeiter. Nach EU-Recht muss die Verkehrsleistung in Zukunft ausgeschrieben werden. Die derzeitige BVG würde den Wettbewerb auf Grund ihrer hohen Kosten pro Mitarbeiter nicht bestehen.

Gefährdet ist zunächst am meisten der Busbereich. Ende des Jahres laufen hier allein 83 Konzessionen aus, 35,8 Prozent aller Linien.

Die Senatsverkehrsverwaltung hat die Konzessionen bisher nicht verlängert.

Dabei hat der Wettbewerb um diese Konzessionen nach Angaben der BVG längst begonnen. Busgesellschaften im Land Brandenburg liegen bei den Tarifen mehr als 30 Prozent unter dem Niveau der BVG.

Große Unternehmen, auch aus dem Ausland, versuchen gegenwärtig, sich bei solchen Betrieben einzukaufen, um dann in den Berliner Verkehrsmarkt einzudringen. Auch die Bahn AG hat kürzlich angedroht, nach dem vorläufigen Scheitern der Verhandlungen um eine gemeinsame Holding von BVG und S-Bahn mit einer eigenen Busflotte antreten zu wollen.

Das Berliner Abgeordnetenhaus hat zwar beschlossen, dass der Senat mit der BVG bis Ende August noch einmal einen Unternehmensvertrag abschließt, unterschrieben ist aber noch nichts.

Der Vertrag würde dem Unternehmen feste Zahlungen bis 2007 garantieren, wobei die Summe von 820 Millionen Mark auf 620 Millionen Mark zurückgeht. Umstritten ist, ob der Vertrag von der Europäischen Union genehmigt werden muss. Insider schließen auch eine Klage durch einen Konkurrenten nicht aus.

Zum Sanierungskonzept gehört ferner die Fahrdienst-Tochter, die zunächst 30 Prozent der bisherigen BVG-Leistungen übernehmen soll. Starten müsste sie mit etwa tausend Mitarbeitern. Aber auch die alte BVG muss effizienter und damit kostengünstiger werden. "Die Fahrdienst-Tochter allein kann die Gesamt-BVG nicht retten", machte ein Mitarbeiter gegenüber dem Tagesspiegel deutlich.

Zu den Fahrdienst-Töchtern wechseln soll in der ersten Stufe vor allem Fahrpersonal vom Bus, der U- und der Straßenbahn. Aber auch Mitarbeiter der Verwaltung sollen zu den neuen Bedingungen arbeiten. Ein Vorbild aus der Führungsetage gibt es dabei nicht. Dass auch Vorstandsmitglieder zu geringeren Bezügen arbeiten werden, ist derzeit nicht vorgesehen.

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