Berlin : Die beste Freundin

Jacqueline van Maarsen stellt ihre Erinnerungen an Anne Frank vor

Constance Frey

Anne Frank ist wohl den meisten Menschen ein Begriff. Das Tagebuch des jüdischen Mädchens, das sich 1942 mit seiner Familie in Amsterdam vor den Nazis versteckte, 1944 nach Deutschland deportiert wurde und 1945 mit ihrer Mutter und ihrer Schwester im Konzentrationslager von Bergen-Belsen starb, wurde weltweit verlegt. Jetzt hat ihre beste Freundin Jacqueline van Maarsen ihre Erinnerungen an Anne Frank aufgeschrieben. Und das, obwohl sie lange Zeit gar nicht an die Öffentlichkeit gehen wollte. „Ich war emotional zu beteiligt“, sagte sie gestern bei der Buchpräsentation im Anne-Frank-Zentrum in Mitte. „Als Anne zur Legende wurde, wurde ich als ihre Freundin Joopi ein Teil davon. Ich kann Anne nicht als Symbol sehen, sondern als kleines Mädchen.“

Die heute 75-Jährige, von Beruf Buchbinderin, besuchte mit Anne die jüdische Schule in Amsterdam. Die beiden zwölfjährigen Mädchen lernen sich dort kennen. Zwischen der extrovertierten Anne und der eher introvertierten Jacqueline entwickelt sich schnell eine innige Freundschaft. Sie besuchen einander häufig nach der Schule, machen Hausaufgaben, reden über Sexualität und träumen gemeinsam von der Zeit nach dem Krieg. Auch die Eltern der zwölfjährigen Mädchen verstehen sich gut.

Anne klebt die einzige Postkarte von Jacqueline in ihr Tagebuch ein. Dazu schreibt sie: „Dies ist das einzige geschriebene Zeichen von Jacques Freundschaft. (...) Im Augenblick ist sie sehr nett zu mir, ich hoffe, dass das so bleibt.“ Als Anne eines Tages nicht mehr in die Schule kommt, denkt Jacqueline, dass sie mit ihrer Familie in die Schweiz emigriert ist und wähnt sie in Sicherheit. Im leeren Haus ihrer Freundin sucht sie vergeblich nach einem Abschiedsbrief. Erst nach dem Krieg erfährt sie von Annes Vater Otto Frank, dass sie zwei Jahre lang nur wenige Straßen weiter versteckt lebten. Sie selbst überlebte mit ihrer Familie den Krieg, weil ihre Mutter nicht jüdisch war. Mit ihrem Buch möchte Jacqueline van Maarsen aus der Legende Anne Frank wieder ein Mädchen machen, „ein Mädchen aus Fleisch und Blut, wie ich sie gekannt habe.“

„Ich heiße Anne, sagte sie, Anne Frank“, S. Fischer Verlag, 17,90 Euro. Lesungen am 27. Mai um 18 Uhr in der Voltaire-Gesamtschule, Lindenstraße 32 in Potsdam, Eintritt frei, und am 1. Juni um 19.30 Uhr im jüdischen Waisenhaus, Betsaal, Berliner Straße 120/121 in Pankow, Eintritt 4 Euro.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar