Berlin : Die Boots-Aufleger

Am Osthafen hat ein neues Partyschiff festgemacht. An Bord gibt es Musik vom DJ und Theater – und das bei freiem Eintritt. Morgen ist Literaturabend

Sebastian Leber

Die Handlung des Theaterstücks wird nicht verraten. Das muss jeder selbst gesehen haben. Nur soviel: Eine der Hauptrollen heißt „Der Schwimmer“. Man kann sich denken, was der arme Schauspieler bei jeder Vorstellung machen muss.

Zum Glück für ihn wird auf dem Hausboot nicht nur Theater gemacht: Es gibt Lesungen, Kunstaktionen und jede Menge Partys. Für vier Wochen hat das Schiff in der Stralauer Allee am Osthafen festgemacht, direkt neben den Fernsehstudios von MTV. Der Hamburger Kilian Becker hatte die Idee zu dem Projekt. Strandbars gibt es schon viel zu viele, sagt er. Die seien auf dem absteigenden Ast. Auch Hausboote mit Restaurant- und Partybetrieb gibt es in Berlin bereits einige (siehe Spalte rechts), aber so eines noch nicht.

Wer zum ersten Mal an Bord kommt, denkt, er sei auf einem tatsächlich bewohnten Schiff gelandet. Unter Deck findet man eine komplette Junggeselleneinrichtung: Fernseher, Couch, Plattensammlung, ein halb gefüllter Kühlschrank. Und oben auf dem Dach stehen Sessel rum. Da kann man Platz nehmen und auf die Spree gucken. Der Eintritt ist kostenlos, weil das Boot vom Zigarettenhersteller Gauloises gesponsert wird. Deswegen stehen auch überall Aschenbecher herum: smoke on the water, sozusagen.

Geöffnet ist mittwochs bis sonntags. Ab 12 Uhr kann man sich auf Deck entspannen und sonnen, am Abend beginnt das Programm. Diesen Mittwoch, Donnerstag und Freitag lesen ab 20 Uhr die Hamburger Popliteraten Alexander Posch und Michael Weins – morgen mit Unterstützung der Berlinerin Tanja Dückers. Sonnabend und Sonntag ist Party. Nicht auf dem Hausboot, das misst gerade mal 20 Meter in der Länge. Sondern gleich daneben auf einem riesigen Ponton mit Tanzfläche, Bar und kleinem Pool zum Füßeabkühlen.

Am 26. Juli kommt der Berliner Künstler Philipp Geist an Bord. Der hat sich extra für das Boot eine neue Installationsidee einfallen lassen: Außen am Schiffsrumpf will er eine Unterwasserkamera anbringen, so dass die Bootsbesucher drinnen auf dem Fernseher sehen, was so alles an ihnen vorbeischwimmt. „Die Idee ist toll“, sagt Becker, „hoffentlich scheitert die Umsetzung nicht daran, dass die Spree zu trübe ist“.

Drei Monate hat das Team von Kilian Becker gebraucht, um das Hausboot partytauglich zu machen. Zuerst mussten sie ein altes Boot finden und kaufen. Dann komplett entkernen. Und anschließend schick einrichten. Wie viel der Umbau gekostet hat, verrät Becker nicht. Eine sechsstellige Summe sei aber schon zusammengekommen. Damit sich die Investition lohnt, war das Partyboot vor Berlin schon vier Wochen in Hamburg. Und im August wird in Dresden Halt gemacht. „Natürlich stapeln sich bei uns die Anfragen, ob das Boot danach verkauft wird. Keine Chance: Nächstes Jahr soll es den Rhein runterfahren. Was Becker während seines Aufenthalts in Hamburg am meisten beeindruckte: Niemand hat etwas geklaut. Dabei stehen überall auf dem Boot kleine Kostbarkeiten rum, von Nat-King-Cole-Schallplatten bis zu afrikanischem Kunsthandwerk. Vielleicht liege es daran, dass auf seinem Boot so eine intime Atmosphäre herrsche, sagt Becker. Und Freunde beklaue man ja schließlich nicht. Na gut, ein paar Aschenbecher seien schon verschwunden. Aber egal: Da steht ja zumindest das Logo des Sponsors drauf. Das Hausboot liegt an der Stralauer Allee 8 vor Anker. Abends pendelt ein kostenloser, regelmäßiger Shuttleverkehr zwischen dem Boot und dem U-Bahnhof Warschauer Platz hin und her. Achtung: Wer auf das Schiff will, muss volljährig sein. Das komplette Programm, ein Lageplan und die Öffnungszeiten findet man im Internet unter www.lucs-hausboot.de.

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