Berlin : Die Box macht dicht

Lärmbeschwerden gegen Club in Charlottenburg.

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Jetzt oder nie. Der Club The Box ist Sonnabend zum letzten Mal geöffnet.Foto: Promo
Jetzt oder nie. Der Club The Box ist Sonnabend zum letzten Mal geöffnet.Foto: Promo

Eigentlich ist der Standort für einen Club in der Innenstadt geradezu ideal: jede Menge Platz und die nächste Wohnbebauung ist mehrere Hundert Meter entfernt. Dennoch muss der Charlottenburger Strandclub „The Box“ in der Englischen Straße wegen Anwohnerbeschwerden nach drei Jahren schließen. Am heutigen Samstag wird hier die letzte Party gefeiert.

„Als wir Ende November vom Bauamt die Aufforderung zur sofortigen Schließung erhielten, waren wir sehr überrascht“, sagt Geschäftsführer Alexander Freund. Es sei zwar stets klar gewesen, dass die Nutzung zunächst nur befristet sei. „Doch im Sommer haben uns die Ämter signalisiert, dass es für uns weitergehen könne“, so Freund. Dieser Darstellung widerspricht der zuständige Baustadtrat Marc Schulte (SPD): „Eine an Wohnbebauung angrenzende Vergnügungsstätte darf nur dauerhaft betrieben werden, wenn die Anwohner einverstanden sind.“ Die befristete Nutzungserlaubnis sei 2009 zunächst ohne Anwohneranhörung erteilt worden, doch seien diese nach und nach befragt worden, und es habe immer mehr Beschwerden wegen Lärmbelästigung gegeben. „Uns liegen mehrere Unterschriftenlisten gegen den Club mit bis zu 20 Namen vor“, so Schulte. Mehrere Messungen sollen außerdem zu hohe Lärmpegel nachgewiesen haben.

Freund hingegen will nur von zwei rund 400 Meter entfernt wohnenden Anwohnern wissen, die sich regelmäßig beklagt haben sollen. Viele andere Anwohner seien sogar Gäste des Clubs gewesen. Zudem habe man alles getan, um Konflikte zu vermeiden. „Wir haben sogar die Straßen selbst reinigen lassen und Personal eingesetzt, das unsere Gäste auf dem Weg zur S-Bahn zur Ruhe ermahnt“, erzählt er. Freund sucht jetzt einen neuen Standort, wieder als Kombination aus Club und Strandbar. Und das ausgerechnet in Mitte, wo es für Betreiber immer schwieriger wird, Orte zu finden. Doch Freund, der im Sommer auch die Strandbar Metaxa Bay am Hauptbahnhof betreibt, ist zuversichtlich: „Anders als in Charlottenburg haben wir mit den Ämtern in Mitte sehr gute Erfahrungen gemacht.“

Wenig optimistisch reagiert Olaf Möller, Vorsitzender der Clubcommission, auf das Ende der Box, auch angesichts der vorausgegangenen Schließungen von Institutionen wie Icon und Knaack in Prenzlauer Berg: „Irgendwann sind alle Clubs in den Speckgürtel gezogen, und die Bewohner langweilen sich in der Innenstadt.“ Gegen solche Aussichten will die neue rot-schwarze Koalition laut Baustadtrat Schulte aber etwas tun: „Es wird über Regelungen nachgedacht, um Straßenfeste leichter genehmigen zu können.“ In diesem Zuge, so Schulte, könnten auch die Bestimmungen für Clubs neu diskutiert werden. Eva Kalwa

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