Berlin : Die Branche will kein Schloss-Hotel

Verbandspräsident Weiland kritisiert die Pläne für eine Luxusherberge in Berlins Mitte

Bernd Matthies

Soll das wiederaufgebaute Stadtschloss durch einen Hotelanbau mit Konferenzzentrum ergänzt werden? Dieser Vorschlag aus der Machbarkeitsstudie, die von Bund und Ländern in Auftrag gegeben wurde, hat in der Berliner Hotelbranche Kopfschütteln ausgelöst. „Typisch“, sagte Willy Weiland, der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes, „wenn sie mit einer Immobilie nicht mehr weiter wissen, dann bauen sie ein Hotel ein – als wenn wir nicht schon längst genug Hotels in der Stadt hätten“. Weiland zweifelt vor allem die Seriosität der Finanzplanung an, denn wenn dieses Hotel, wie vorgeschlagen, auch noch einen Beitrag zur Finanzierung des gesamten Schlossaufbaus leisten solle, dann sei es praktisch nicht wirtschaftlich zu betreiben.

Gegenwärtig gibt es in Berlin fast 81000 Hotelbetten – eine Zahl, die ursprünglich erst 2007 erreicht werden sollte. Und das sind selbst angesichts des Touristenbooms mit derzeit 13 Millionen Besuchern längst zu viel. Erst bei 20 Millionen Besuchern pro Jahr sei diese Bettenzahl angemessen und sichere den Hoteliers schwarze Zahlen, meint Weiland, doch daran fehlen noch einige Millionen.Überdies ist nach seiner Meinung speziell der Standort Stadtschloss bereits gut mit Hotels bestückt. 2006 soll das „Grand Hotel de Rome“ am nahen Bebelplatz fertig werden – das dann 19. Fünf-Sterne-Hotel Berlins.

Weitere Eröffnungen stehen bevor: Das „Concorde“ in der Joachimstaler Straße soll im November an den Markt gehen, das Sol Melia in der Friedrichstraße zur Fußball-WM. Dann tritt voraussichtlich eine Pause ein, aber es sind weitere Projekte in Planung, darunter die altbekannten und immer wieder hinaus geschobenen Hotelbauten am Zoofenster und Bikinihaus. Selbst das schon vor längerer Zeit zu den Akten gelegte Fünf-Sterne-Projekt in der Nürnberger Straße, dem ehemaligen Sitz der Finanzverwaltung, ist als mögliches Drei- oder Vier-Sterne-Hotel wieder aus der Versenkung aufgetaucht. Kein Wunder, meint Weiland, denn ein Hotel hat für den Investor den Vorteil, dass es selbst bei einer Belegung von nur 30 oder 40 Prozent von Anfang an mehr Geld bringt als ein leer stehender Bürokomplex, der überhaupt kein Geld abwirft .Doch aus Sicht der bestehenden Hotels bedeutet jedes neue Bett, dass die vorhandenen im Preis fallen. Und die niedrigen Preise sind schon lange das größte Problem der Berliner Hotellerie.

Aber auch an der architektonischen Konzeption des Schlosshotels sind Zweifel laut geworden. Die bündnisgrüne Bundestagsabgeordnete Franziska EichstädtBohlig erklärte: „Einen derartigen Riegel wie einen Palazzo Prozzo an das Schloss zu kleben, ist eine perfide Idee“. Sie zeige, dass man immer noch nicht zwischen gesellschaftlichen und privatwirtschaftlichen Aufgaben unterscheiden könne. Der stadtentwicklungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Klaus-Peter von Lüdecke, nannte den öffentlich-privaten Nutzungsmix der Studie plausibel, zweifelt aber wie Eichstädt-Bohlig die Architektur an: „Kann von einem Wiederaufbau des Schlosses wirklich die Rede sein, wenn die Partie am östlichen Spreearm nicht mehr von Renaissancebauten, sondern von einem proportionssprengenden Großbaukörper beherrscht wird?“

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