Berlin : Die britische Schauspielerin Charlotte Rampling

Andreas Conrad

Jetzt bitte nicht eifersüchtig werden. Das bringt nur Ärger, im Film eben konnte man es sehen. Obwohl Deborah Kara Unger und Stellan Skarsgard, die Co-Stars von Charlotte Rampling im Wettbewerbsfilm "Singns and Wonders", allen Grund hätten, sich verschmäht zu sehen. "Charlotte, Charlotte", so tönt es minutenlang durch den Pressebunker im Berlinale-Palast, die Lockrufe der Fotografen, die sich - von hinten sieht man ja nur eine Wand von Rücken - alle an der schönen Charlotte festzuzoomen scheinen.

Da ist sie also wieder. Zuletzt war die Britin 1993 hier, stellte damals den Panorama-Film "Hammers over the Anvil" vor, von dem man nie wieder etwas gehört hat. Ohnehin hat sie sich rar gemacht mit der Schauspielerei, durfte zwar überwiegend mit Regisseuren der ersten Garde arbeiten, mit Visconti, Woody Allen, Lelouch, Oshima oder Alan Parker. Aber die Filmografie blieb doch überschaubar, und sie hatte sich immer mal wieder eine "voyage interieur" gegönnt, wie sie bei dem Besuch vor sieben Jahren erzählt hatte.

Wenig Zeit scheint seither vergangen, sieht man sie so an. Noch immer dieses aristokratische, zugleich leicht spöttische Lächeln, die Mischung aus Intellektualität und Anmut, beherrschter Erotik auch, nur erinnert sie diesmal weniger an Vanessa Redgrave als an Lauren Bacall.

Mit den Fotografen kokettieren, einem gar spielerisch zuwinken, wie es die blonde Deborah vormacht? Nie. Und auch weitschweifig auf die Standardfrage antworten, warum sie denn gerade in diesem Film mitgespielt habe, nein, das fiele ihr nie ein, das muss nicht mehr. Ja, sie habe in diesem Film mitgespielt, weil sie ihn sehr gut fand. "Und natürlich hofft eine Schauspielerin dann, dass auch die anderen ihn gut finden. So ist das auch im Leben." Und wieder dieses, nein, nicht herablassende, aber doch jede Frage von vornherein relativierende Lächeln, die Lust am leisen Spott. Oder nicht? Gerade war es über ihr Gesichte gehuscht, aber jetzt sitzt Charlotte Rampling da, als gehöre sie gar nicht hierher, als weile sie ganz woanders, in sich gekehrt, die linke Wange in eine Hand geschmiegt. Eine "Voyage interieur", sekundenlang zwar nur, aber hier, im Trubel des Festivals, der geschwätzigen Fragen und nichtssagenden Antworten. Es geschehen noch Zeichen und Wunder.

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