Berlin : Die Buden sollen schöner werden

Sanierung des Studentendorfs Schlachtensee dauert bis 2016. Vor 50 Jahren war Grundsteinlegung

Christian van Lessen

Ursula Karsai und ihr Verlobter Botond Gereöfty blicken vom dritten Stock ins Grüne, Mittwochvormittag haben sie etwas Zeit, ihre Vorlesungen sind erst nächste Woche. „Ganz ruhig hier, Schlachtensee und Uni sind gleich in der Nähe“, schwärmen sie. Die beiden FU-Studenten der Politikwissenschaft sind zufrieden. Zwei Zimmer, je zehn Quadratmeter, je 190 Euro Miete warm, dazu das Wohnzimmer, das sich eine Fünf-Personen-Wohngemeinschaft teilen muss. Nachmittags ist es unruhiger: Auf dem „Dorfplatz“ wird gefeiert. Genau 50 Jahre ist es her, dass der Grundstein für das Studentendorf Schlachtensee an der Wasgenstraße gelegt wurde: Eine der ersten Amtshandlungen Willy Brandts als Regierender Bürgermeister.

Ein Bild vom einstigen Festakt mit Brandt und Eleanor Dulles schmückt die Einladungskarten. Die Schwester des früheren US-Außenministers war dabei, das Studentendorf wurde als Bestandteil der FU durch Geld aus den USA finanziert. Deshalb ist ein Gebäude mit Fahnen geschmückt, der deutschen, der Berliner, der FU-Fahne, den Farben der Vereinigten Staaten. Während der 68er Studentenbewegung hätte sie nicht lange gehangen. Im heute noch vorhandenen „Club A 18“ soll Studentenführer Rudi Dutschke flammende Reden gehalten haben.

Am Mittwoch gibt es Grußworte des amerikanischen Gesandten, des FU–Präsidenten, eines ersten Bewohners, der hoher Ministerialbeamter wurde – und einen symbolischen Spatenstich für die Renovierung eines weiteren Hauses. Es schließt sich ein kleiner Empfang im „Rathaus“ an. Früher gab es einen studentischen Bürgermeister, jetzt sitzt hier die Genossenschaft Studentendorf Schlachtensee mit den Vorständen Andreas Barz und Jens-Uwe Köhler. Das Dorf gehört seit 2003 rund 100 Genossen, darunter viele ehemalige Bewohner.

Fast alle 28 Gebäude sind denkmalgeschützt, auch die Grünflächen. Die Anlage ist Kulturdenkmal und gilt als spät wiederentdecktes Beispiel der Nachkriegsmoderne. Entworfen wurde sie von den Architekten Hermann Fehling, Daniel Gogel und Peter Pfankuch.

Gerade ist der 700. Bewohner eingezogen, eine Studentin aus Kasachstan. An eine Belebung wie heute war vor fünf Jahren nicht zu denken: Da wohnten nur noch rund 20 Studenten im Dorf, die Gebäude verwahrlosten, sollten fast alle wegen eines Grundstückstauschs des Senats abgerissen werden. Aber es gab öffentlichen Widerstand, der Senat beschloss, das Gelände an die neue Genossenschaft zu verkaufen. Inzwischen ist eines der ersten Gebäude restauriert. Unterstützt wird die Erneuerung vom Kulturstaatsminister, dem Landesdenkmalamt, der FU, auch der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Rund 18,6 Millionen Euro soll die bis 2016 geplante Komplettsanierung kosten, die Genossenschaft wird den Hauptteil tragen müssen, sie vertraut umso mehr auf Förderung.

Das Studentendorf in FU-Nähe ist als Wohnort beliebt, es gibt eine längere Warteliste. Die denkmalgerechte Sanierung soll den „Buden“ allerdings neue Grundrisse bescheren. Gemeinschaftsduschen und -toiletten sind eben – bei allem Lob für die Nachkriegsmoderne – nicht mehr zeitgemäß.

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