Berlin : Die Bücher der Mrs. Fishwish

Enjoy Berlin: Eine Ausstellung erinnert an die Glanzzeiten des guten alten AFN

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Was macht eigentlich Mrs. Fishwish? Zuletzt haben wir vor rund zehn Jahren von ihr gehört. Wenn die Erinnerung nicht trügt, war sie der Bücherentführung für schuldig befunden und dazu verurteilt worden, den Boden der Bücherei der Berlin Brigade aufzuwischen. Zugegeben, Mrs. Fishwish hatte man erfunden, aber die saumseligen G.I.s, die ihre ausgeliehenen Bücher nicht rechtzeitig zurückbrachten, waren offenbar ein so drängendes Problem der Schutzmacht, dass ihr Haussender AFN dazu einen unvergesslichen Radiospot entwarf, ein MiniHörspiel mit Ohrwurm-Potenz. Ihm entkam man bei regelmäßigem Hören des Soldatensenders so wenig wie dem mahnenden „Don’t drink and drive“, dem euphorischen „Enjoy Berlin – it’s more than you ever imagine“ oder dem selbstbewussten „88 FM – the best in Berlin“.

Ach, es waren schöne Radiostunden, an die in der Hessischen Landesvertretung mit der Ausstellung „60 Jahre AFN“ erinnert wird. Allein die stundenlange Tristesse auf den Transitstrecken, bis endlich kurz hinter Brandenburg die „Stimme der DDR“ mit entschlossenem Dreh zum Schweigen gebracht und das Radio auf UKW 87,9 eingestellt wurde. Ein unendlicher Musikteppich breitete sich nun aus, unterbrochen nur durch die griesgrämigen Grenzer, eine Welle des Optimismus, die über den Äther in den Wagen schwappte, eine Klangwolke, in der sich Madonnas Gurren, Tina Turners Röhren und das sanfte Säuseln von Paul Young mischten. Wo sonst schon gab es dergleichen damals zu hören?

Das war in den Achtzigern, damals moderierten Leute wie Jo Eager und der alte Ami Rick DeLisle. Populär waren sie, gewiss, wenngleich vom frühen Ruhm des American Forces Network schon weit entfernt. Am 4. August 1945, 12 Uhr, war der AFN Berlin mit „The Star-Spangled Banner“ und „Rhapsody in Blue“ auf Sendung gegangen – ursprünglich als Service für die Amerikaner in Berlin, doch bald ein Sprachrohr des „American Way of Life“, besonders erfolgreich schon deshalb, weil darauf immer mehr Musik erklang. Zuletzt weniger Dave Dudley, Hank Snow und Charlie Pride, deren Country-Songs für die Männer von „Truck Stop“ noch das typische AFN-Programm prägten, als vielmehr „Rock around the clock“. Dass AFN wirklich rund um die Uhr sendete, verdankten die Berliner zuerst der Luftbrücke, hatten doch deren Piloten den Sender als Leitstrahl verwendet. Solche Geschichten gehörten zum Mythos des AFN, der am 15. Juli 1994 seinen Sendebetrieb aus dem Haus an der Saargemünder Straße in Dahlem einstellte. Gerne wurde dort auch von den Zeiten erzählt, als monatlich über 1000 meist deutsche Hörerbriefe eintrafen. Heute kaum mehr vorstellbar. ac

„60 Jahre AFN“, noch bis 24. Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr in der Hessischen Landesvertretung, In den Ministergärten 5.

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