Berlin : Die bunte Mischung muss das Rathaus räumen

Christian van Lessen

Zehlendorf. Es gibt viele Autofahrer, die sich im Stau vor der Kreuzung Zehlendorf-Mitte zuweilen an die WUB erinnern, und das nicht immer freundlich. Eine Protestbewegung, aus der sich später die Wählergemeinschaft Unabhängiger Bürger entwickeln sollte, verhinderte vor über 25 Jahren den Bau eines vom Senat gewünschten Autotunnels unter dem Ortskern. Jenen Tunnel wünschten sich diese Autofahrer dringend, um heute nicht so oft im Stau zu stecken.

Nun ist die Wählergemeinschaft, einst eine politische Größe in Zehlendorf, erstmals nach Jahrzehnten aus der Bezirksverordneten-Versammlung verschwunden. Die WUB will nun verstärkt auf Diskussionen "am Ort" und aufs Internet setzen.

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Schon bei der Bezirksfusion mit Steglitz hatte sich abgezeichnet, dass es die Zehlendorfer Eigenart WUB im Großbezirk nicht leicht haben würde. Editha Stürtz-Frase, die zuletzt fraktionslos für die Wählergemeinschaft in der Bezirksverordneten-Versammlung saß, konnte jetzt nur 2,6 Prozent der Stimmen erreichen - 4406 Wähler. Aber drei Prozent hätten es sein müssen, um wieder den Sprung in das Bezirksamt zu schaffen. Das gelang zum ersten Mal der PDS.

Die Wählergemeinschaft musste sich gestern, als das Kind in den Brunnen gefallen war, neugierige Anfragen gefallen lassen: Beispielsweise, wie und ob es denn nun weitergehe. "Das Interesse", sagte Editha Stürtz-Frase, "hätten wir uns gern vor der Wahl gewünscht." Nun stellte sie betrübt fest, dass die WUB ihr Konzept nicht flächendeckend habe verbreiten können. Das Konzept sei, die "Beteiligung der Menschen" an den Entscheidungen im Bezirk voranzutreiben. Aber die Menschen trauten den Parteien die Lösung gesellschaftlicher Probleme offenbar mehr zu als sich selbst. Außerdem hätten die finanziellen Mittel aus Spenden für zwei Wahlkämpfe innerhalb von zwei Jahren nicht ausgereicht, und die bürgernahe Arbeit in kleinen Gruppen sei im Fusionsbezirk erschwert. Die rund 80 Mitglieder der WUB aber wollten "im Kleinen" weiterarbeiten und Bürgerinitiativen unterstützen.

Fast vergessen sind die Zeiten, als die WUB zu einer festen Größe im Rathaus geworden war. Jener bunt gemischte, akademisch-ökologisch geprägte Verein, der über Jahrzehnte ein Phänomen in Berlin war. Der zeitweise zwei Stadträte stellte und vor allem erreicht hatte, dass die Verfassung zugunsten parteiloser Kandidaten für das Abgeordnetenhaus geändert werden musste. Es galt mitunter als schick und alternativ, die WUB zu wählen. Noch 1992 erhielten sie 17,7 Prozent der Zehlendorfer Stimmen, bei den Wahlen darauf waren es noch über 15 Prozent, 1999 kam der Verein gerade noch auf 3,2 Prozent, was den hohen Erwartungen keineswegs entsprach.

Es gab Affären, Missbilligungen, Austritte. Ein Finanzstadtrat wurde 1997 abgewählt, weil man ihm vorgeworfen hatte, Pachtverträge und Grundstücksgeschäfte zu Dumpingpreisen abgeschlossen zu haben. Ein Jahr später machte die WUB ihre schwerste Krise durch. Mit den Austritten der Gründungsmitglieder Walther Grunwald und den ehemaligen Stadträten Annedore Müller-Hofstede und Herbert Wilkens lichteten sich die Reihen des Vereins.

Grunwald hatte der WUB vorgeworfen, sich in den vergangenen Jahren der "politischen Unkultur der Parteien" angepasst zu haben.

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