Berlin : „Die BVG ist sehr viel besser als ihr Ruf“

Der neue Vorstandschef Andreas Graf von Arnim im Interview: Sauberkeit, Sicherheit und Service sollen das Unternehmen prägen

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Der neue BVG-Vorstandsvorsitzende Andreas Graf von Arnim hat seine Arbeit aufgenommen. Klaus Kurpjuweit wollte von dem 44 Jahre alten Betriebswirt wissen, was er bereits von der BVG kennt und was er in Zukunft plant.

Sie wollten in den vergangenen Wochen kreuz und quer mit Bahnen und Bussen fahren, um die BVG kennen zu lernen. Wie empfinden Sie den Betrieb aus Sicht der Fahrgäste?

Ich bin leider weniger unterwegs gewesen, als ich wollte. Ich habe doch mehr Unterlagen gelesen und Gespräche geführt und versucht, bereits Mitarbeiter kennen zu lernen.

Aber ein bisschen haben Sie den BVG-Alltag der Fahrgäste doch kennen gelernt. Wo hakt es denn Ihrer Ansicht nach?

Auch nach den ersten Erfahrungen kann ich sagen, dass die BVG in ihrer Leistungsfähigkeit sehr viel besser ist als ihr Ruf. Wir sind sicher nicht überall perfekt. Es gibt aber ein gespaltenes Verhältnis des Berliners zu seiner BVG. Auf der einen Seite ist sie ihm vertraut von der Muttermilch an, gleichzeitig hat jeder der Millionen Experten eine andere Vorstellung darüber, wie sie funktionieren sollte.

Was empfindet der neue Chef, wenn er sieht, wie Bahnhöfe beschmiert und Scheiben in den Fahrzeugen zerkratzt sind?

Sauberkeit, Sicherheit und Service werden von allen Fahrgästen als Kennzeichen von Dienstleistungsgüte wahrgenommen. Auch von mir als Fahrgast und zukünftig als einem, der die Geschicke dieses Unternehmens mit beeinflussen kann und wird.

Haben Sie eine Idee, wie Sie gegen den Vandalismus vorgehen könnten?

Ich werde mir das genau anschauen und dann mit meinen Fachleuten darüber sprechen. Die Videoüberwachung ist ein Thema, und nach meiner Erkenntnis hat sie dazu geführt, dass die mutwilligen Beschädigungen deutlich zurückgegangen sind. Das ist ein Thema, das man sicher ausweiten sollte.

Wie sieht das dann bei den personalfreien Bahnhöfen aus? Wollen Sie dort lieber Kameras installieren oder doch wieder Mitarbeiter präsent sein lassen?

Ich habe dazu erste Ideen. Sobald ich diese durchleuchtet habe, werde ich mich äußern.

Haben Sie da viel Spielraum? Im Koalitionsvertrag von SPD und PDS steht, dass Bahnhöfe wieder besetzt werden sollen.

Wie in der Wirtschaft üblich, wird man sich das anschauen und sagen, wie funktioniert das und was bedeutet das. Mehr kann ich heute dazu nicht sagen.

Zu den potenziellen Sparobjekten des Senats gehört auch die BVG. Können Sie sich vorstellen, dass die Zuschüsse aus der Landeskasse weiter gekürzt werden?

Die BVG hat im Konsens mit dem Senat und den Arbeitnehmern eine Reihe von Vereinbarungen getroffen. Ich muss mir nun anschauen, wie weit diese Programme heute mit Leben erfüllt sind, ob da etwa noch Spielräume bestehen. Dass die Finanzverwaltung städtische Betriebe wie die BVG von solchen Überlegungen nicht ausschließen kann, halte ich für völlig normal.

Schon jetzt ist klar, dass die BVG enorm verschuldet ist, weil der Senat das Defizit seit Jahren nicht mehr völlig ausgleicht. Lassen die Schulden Sie noch ruhig schlafen?

Ich schlafe eigentlich immer ganz gut. Verbindlichkeiten mit einem gewissen Anteil von Fremdkapital in der Bilanz sind für ein Unternehmen nichts Ungewöhnliches.

Wird die BVG expandieren?

Es gibt vorher eine ganze Reihe von Kernaufgaben zu erledigen. Wir wollen die BVG international wettbewerbsfähig machen. Natürlich könnte es für die BVG interessant sein, außerhalb der Stadt aktiv zu sein.

Wie stehen Sie zu den Überlegungen, die BVG und die S-Bahn zu fusionieren?

Hier gibt es eine Reihe von Facetten, die zu betrachten sind. Ich habe noch kein abschließendes Bild. Ich werde es aber bald haben.

Gilt dies auch bei den Tarifen?

Hier muss man sich zunächst fragen, ob der öffentliche Nahverkehr sein Marktpotenzial schon ausgenutzt hat. Ich kann mir gut vorstellen, dass es sie gibt. Und dann muss man sich sehr schnell überlegen, wie man sie erschließen kann.

Aber doch nicht mit höheren Tarifen?

Wenn die Ertragsseite durch das Erschließen weiterer Potenziale immer noch nicht ausgeschöpft werden kann, muss man auch über Tarifanpassungen nachdenken. Aber ich sehe beides in Kombination. Ich bin mir darüber im Klaren, dass es ein brisantes Thema ist. Tariferhöhungen gelten immer als unpopulär. Es liegt an unserem Geschick, es so zu vermitteln, dass eine Erhöhung mit einem gewissen Verständnis aufgenommen wird.

Das ist aber eine hehre Hoffnung.

Eine meiner Aufgaben wird es sein, die Leistungsfähigkeit der BVG deutlich zu machen. Man erhofft sich von mir, hier ein bisschen frischen Wind hineinzubekommen.

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