Die BVG legt Berlin lahm : Streiktagebuch der Redaktion

Die Berliner werden vom Ausstand bei der BVG gebeutelt. Viele Hauptstädter schwanken zwischen Verständnis für die Busfahrer und persönlichem Groll. Wie Tagesspiegel-Redakteure den Streik erleben. Tag acht:

8. Streiktag

Matthias Lehmphul

Heute ist der achte Streiktag und langsam gewöhne ich mich an diesen Ausnahmezustand. Ich gewöhne mich an die vollen S-Bahnen, an die motzigen Berliner am S-Bahnhof Friedrichstraße und an die verloren dreinschauenden Touristen. Wir gewöhnen uns ganz schön schnell an Dinge, die vor kurzem noch nicht mal vorstellbar gewesen wären.
Ich meine, wann hatten wir mal einen richtigen Streik in Berlin? Einen Streik, den wir sonst in Paris vermuten. Aber doch nicht bei uns. Bei uns ist doch alles durch Verhandlungsverfahren, Kommissionen und Sitzungen geregelt. Wann sieht man den Bürger noch Entscheidungen selbst in die Hand nehmen? Ja nun ist es mal soweit. Acht Tage Streik im öffentlichen Dienst. Und unsere Berliner Politik was sagt die zu alledem? Die stürmische Linke macht ordentlich Druck und die alte Tante SPD weiß überhaupt nicht wo ihr der Kopf steht. Verwirrt von Wortbrüchen verpasst sie den Streik oder mahnt, wie die Berliner SPD, Verdi zur Aufgabe ihrer Prinzipien. Ganz schön lau.
Mit mir verlässt die Hälfte der Berufspendler am Bahnhof Friedrichstraße die S-Bahn. Ich bin mal wieder am neuralgischen Punkt im zusammengeschrumpften Nahverkehrssystem angekommen. Heute muss Wandertag der Berliner Schulen sein. Unglaublich: Tatsächlich entließen die Berliner Schuldirektoren ihre Schutzbefohlenen in dieses Verkehrschaos, um die sowieso überfüllten S-Bahnen noch voller zu machen. Auf dem Weg in die Redaktion fielen mir mindestens zehn Schulklassen auf, die sich durch den Streik kämpften. Ich denke mir: „Hoffentlich geht da heute kein Kind verloren.“
Auch der untere S-Bahnsteig ist überfüllt. Überhaupt scheint mir heute alles mit Menschen voll gepackt zu sein. Nach einem lauen Start in die Woche finde ich heute weder in der S7 noch in der S1 einen Sitzplatz. Selbst auf dem Potsdamer Platz drängten sich die Berliner hinaus in das stürmische Wetter. (Übrigens soll es heute Abend ein richtiges Unwetter geben.) Sympathien dürfen die Streikenden von den Berufspendlern wohl nicht mehr erwarten. Seit zwei Tagen hatte ich mir die Aufgabe gestellt, eine bestimmte Betroffenengruppe im Streik-Chaos zu suchen: die Rollis. Ich finde keine. Was machen eigentlich unsere behinderten Mitbürger? Ich frage mich, wie die Rollis von A nach B kommen? Zum ersten Mal während der vergangenen acht Tage bin ich richtig sauer auf den Senat, der immer mehr Personalkosten an allen Ecken und Enden spart, aber gleichzeitig für sein Image Millionen Euro in die Luft pustet. Ich bin unpünktlich und flitze die letzten Stufen hoch in die Redaktion. Puh, gerade noch rechtzeitig in die Sitzung geschaft. 

7. Streik-Tag

Sylvia Vogt


Hat denn gar niemand aus der Redaktion Verständnis für die schlecht bezahlten BVGler? Ja, okay, ich habe natürlich auch gut reden und ein Auto. Zur Frühschicht kommt man damit völlig problemlos durch die Stadt. Und am Nachmittag: ein bisschen länger dauert es schon, aber Chaos oder sonstwas wäre eine immense Übertreibung. Frühmorgens - oder vielmehr: mitten in der Nacht, 5:45 Uhr - steht schon Kollege Achim vor der Haustür. Und so fahre ich trotz Morgenmuffeltums in Gesellschaft zur Arbeit. Auch mal nett. In der Redaktion sind dann doch nicht so viele da. Aber daran ist die Grippe schuld.

6. Streik-Tag

Matthias Lehmphul
Erstaunlich welche Nachwehen so ein angekündigter Superstreikmontag haben kann. Als ich aus dem Haus stolpere, bemerke ich, dass meine Straße voller stinkender Autos ist. Dazu muss ich anmerken, dass ich nicht auf der Karl-Marx-Allee oder in der Kantstraße wohne. Mein Kiez macht eher einen verschlafenen und unscheinbaren Eindruck. Stau habe ich hier noch nie erlebt. Größtenteils waren die Autofahrer allein und ertrugen die ungewöhnliche Verzögerung auf ihrem Wege wohin auch immer. Nun ja, ich war froh auf dem S-Bahnsteig wieder durchatmen zu können. Weder hier noch später erlebte ich überfüllte Bahnsteige. Die S-Bahnen fuhren fahrplanmäßig. Alles war verhältnismäßig ruhig, fast zu ruhig für einen normalen Montagmorgen. Als ob die Menschen sich extra für diesen Arbeitskampftag frei genommen hätten. Diese Woche habe ich Tagesdienst und kann mir leider keinen Urlaub leisten. Aber dafür strahlt mich auf meinem Weg die Sonne am blauen Himmel an. Das ist großartig. Ich kam pünktlich in der Redaktion und zur ersten Sitzung an.

Philipp Strobel
Im Gegensatz zu Matthias kam ich nicht pünktlich zur ersten Redaktions-Sitzung. Für mich ist heute seit Streikbeginn wieder der erste Arbeitstag. Am Wochende war ich noch in der fatalistischen "Die BVG streikt, dann fahr ich halt Taxi"-Laune. Doch da ging es nur um Kurzstrecken-Fahrten im eigenen Kiez. Und nach einer Club-Nacht ist am frühen Morgen die Taxifahrt meist eh die bessere Alternative. Um heute zur Arbeit zu gelangen, hätte mich eine Taxi-Fahrt wahrscheinlich ein Monatsgehalt gekostet, denn ich steckte in dem von Matthias beschriebenen Stau fest. Meine Freundin war so nett mich mit ihrem Auto zur Arbeit zu bringen. Von Tür zu Tür eine Strecke, die in der Regel nicht mehr als 10 Minuten in Anspruch nimmt. Doch nicht heute. Die Fahrt dauert insgesamt eine Stunde und 30 Minuten. Einkalkuliert hatte ich bei dem bereits vermutetem erhöhtem Verkehrsaufkommen zirka 30 Minuten. Mit welcher Verspätung ich also in der Redakion auftauchte, ist eine einfache Rechenaufgabe.

5. Streik-Tag

Amir El-Ghussein

Gestern haben sie mich doch noch eingeholt, die Menschenströme, die einer Ameisenstraße gleich zur S-Bahn pilgerten. Selbst Samstag und Sonntag scheinen ne ganze Menge Leute auf U- und S-Bahn angewiesen zu sein. Von oben betrachtet gehöre ich ja auch dazu – nur eben auf dem Fahrrad.

Mir schwant Böses, was morgen so passieren könnte. Deutsche Bahn und die Lokführergewerkschaft lassen uns zappeln. Die Stimmung in der Redaktion ist ganz schön angespannt. Viele Kollegen wissen nicht, wie sie morgen zur Arbeit kommen sollen – es gibt zu wenig Autofahrer in der Redaktion und die unterschiedlichen Arbeitszeiten und Wohnorte tragen ihr übriges zu dem Kuddelmuddel bei. Das könnte ein ziemliches Chaos werden.

Mein Neffe muss auch seit Streikbeginn mit dem Auto in die Schule gebracht werden. Auch die Klassenkameraden werden zum Großteil zur Schule kutschiert. Für meinen Schwager und meine Schwester bedeutet das einen ganz schönen Organisationsaufwand. Bei den beiden haben die BVG-Fahrer keine Sympathien gewonnen.

4. Streik-Tag

Matthias Lehmphul
Ich hatte bislang Glück im Unglück im Berufsverkehr. Pendler müssen sich in die überfüllten Züge der S-Bahn quetschen. Dagegen konnte ich mich sozusagen die vergangenen Tage am Streik erfolgreich vorbeiarbeiten. Das ist der einzige Vorteil, Spätschicht zu haben. Denn immer, wenn ich zur Arbeit fahre, sitze ich nicht in einer überfüllten S-Bahn. Also finde ich meist noch einen Sitzplatz. Aber ganz so unberührt lässt mich der Streik dann doch nicht. Spätestens am S-Bahnhof Friedrichstraße fällt mir ein, dass wir uns alle in einer Ausnahmesituation befinden.

Mittags ist der Bahnhof Friedrichstraße normalerweise nur am Freitag voll, weil alle um eins das Wochenende beginnen. Auf meinem Weg zur Arbeit holt mich hier aber mindestens das Streikfieber ein. Hier schieben sich auch zur Mittagszeit die Massen vom unteren Gleis zum oberen und umgekehrt. Dabei rempeln die Passanten und motzen sich gegenseitig an. Das ist nicht unbedingt anormal in dieser Stadt. Aber die Gesichter scheinen angespannter als üblich, denke ich mir. Die meisten Passanten bleiben jedoch friedlich, versuchen sich zu arrangieren und ertragen die zusätzlichen Anstrengungen. Der Berliner ist noch gewillt, den Streik mitzutragen. Wie lange wohl noch?

Auf dem Bahnsteig fällt mir eine Betroffenengruppe auf, über die wir noch gar nicht gesprochen haben: unsere Touristen. Richtig bange wird mir um unsere Gäste. Ja, ich meine diese Menschen, die ständig auf dem Fußgängerweg zu langsam laufen, im Lonely Planet lesend herumstehen oder scheinbar sinnlos in die Luft gucken. Was machen diese armen Touristen an einem Streiktag in Berlin? Auf dem Bahnsteig Friedrichstraße sahen sie in den vergangenen Tagen noch verlorener aus, als sie es sowieso wären. Ich höre sie mich fragen: „Wo finde ich hier noch ein Stück echte Mauer?“ Na ja, üblicherweise schicke ich sie dann in die Niederkirchner Straße. Noch besser, ich schicke sie in die Bernauer Straße. Aber wie kommen Touristen ohne öffentliche Verkehrsmittel zu den touristischen Hotspots der Stadt? Wahrscheinlich machen diese Fahrradrikschas und diese einstündigen Bustouren zwischen Zoo und Alexanderplatz gerade richtig Schotter. Noch wahrscheinlicher ist es, dass noch mehr Touristen sich am Brandenburger Tor auf die Füße treten. Dafür verlieren sich noch weniger Touristen in den Randbezirken.

Ich bin froh jeden Tag diesen Knotenpunkt heil hinter mir zu lassen. Schon auf dem Potsdamer Platz merkt man nichts mehr von dem Streik.

Amir El-Ghussein


Heute liegt eine friedliche Ruhe über Berlin. Die Straßen sind nass, etwas schmierig aber frei. Auf dem Weg zur Arbeit seh’ ich erstmals kurz hinter der Yorkstraße einen dieser ominösen Ersatzbusse – er ist weiß und komplett leer und steht(!). Nicht mal die Streikbrecher zeigen heute noch echte Arbeitsmoral. Die Kollegen sind alle problemlos eingetroffen, und langsam beschleicht mich der Verdacht, dass die Berliner die BVG gar nicht brauchen. Können wir nicht auf Busse und Bahnen verzichten? Dann haben wir Busspuren für Radfahrer und die Feinstaubbelastung ist dann bestimmt auch geringer. Ach, nur ein Hirngespinst.

3. Streik-Tag

Jörg Vogler
Am dritten Streiktag wache ich morgens auf und muss als erstes an den Streik denken. Ich gehe zum Bäcker gegenüber und bemerke den Regen. Wie kann es sein, dass es am ersten Streiktag schneit, am zweiten nieselt und am dritten regnet? Eine kollektive Verschwörung? Am Frühststückstisch sehe ich den Regen und die grauen Wolken durch das Fenster und beschließe, heute zum ersten Mal mit dem Taxi zu fahren - anstatt mit dem Fahrrad wie an den ersten beiden Tagen. Ich male mir einen Taxifahrer mit Schnauzbart aus, der gerade das Geschäft seines Lebens macht - und ich bin Teil davon.
Auf dem Kottbuser Damm ist wenig später kein freies Taxi zu finden, außerdem steht der Verkehr. Ich gehe resigniert zurück, hole mein Fahrrad aus dem Keller und stelle mir einen Busfahrer vor, der mich angrinst, worauf ich ihm mit der Faust ins Gesicht schlage. Natürlich denke ich das nur; Busschläger gibt es genug in Berlin. Auf dem Kottbuser Damm begegnet mir ein junger Tramper, der ein handgeschriebenes Schild mit der Aufschrift "Rosenthaler Platz" tapfer in den stehenden Verkehr hält. Ich bewundere ihn, er strahlt Ruhe aus. Ich bin nicht ruhig.
In der Arbeit ist mein Hemd verschwitzt, ich würde es am liebsten ausziehen. Als ich es tue, meine ich sofort, mich zu erkälten. Vom Fenster zieht es, meine Hose ist nass. Darüber hinaus muss ich immerzu daran denken, dass mein Fahrradschloss gerade von einem jungen Mann mit Kapuzenshirt geknackt wird. Fahrraddiebe müssen derzeit Hochkonjunktur haben, denke ich, jetzt, wo alle Drahtesel auf der Straße sind. Kriegsgewinnler gibt es ohnehin immer. Ob man darüber wohl eine Geschichte machen kann? Nein, keiner davon wird sich wohl zu einem Interview bereit erklären. Ich sehe aus dem Fenster auf den stehenden Verkehr, die Potsdamer Straße sieht heute hässlicher aus als jemals zuvor. Ich brauche Urlaub, im Süden, weit weg von Arbeitsniederlegungen und Tarifverträgen und Innenminister Schäuble und BVG-Busfahrern, denke ich. Der Rechner strahlt eine monotone Ruhe aus, der Monitorschein beruhigt mich etwas. Wut nützt ohnehin nichts, sage ich mir vor. Schuld bist du selbst, weil du dich von dem bisschen Arbeitsniederlegung so aus der Bahn werfen lässt. Außerdem bist du zu unsportlich, unflexibel und überhaupt zu verwöhnt. Anderswo wäre man froh über ein Fahrrad. Ich sehe wieder in den Regen und denke den Rest des Tages an den Abend, oder besser gesagt: Die Fahrt nach Hause.

Amir El-Ghussein

Vor dem S-Bahnhof Yorkstraße bau' ich fast einen Unfall. Der Radweg ist voll gestopft mit parkenden Drahteseln. Vor mir bremsen gleich drei Radfahrer, das war knapp - vielleicht sollte ich meine "sportliche" Art das Velo zu reiten, überdenken - solange so viel "Streikverkehr" auf den Radwegen herrscht. Gerade kommt die Meldung rein, dass die GDL Berlin nicht verschonen wird. Das heißt also ab Montag wird es ganz bitter. Habe den Eindruck die Redaktion treibt gleichmütig Richtung Katastrophe. Einige Kolleginnen schreiben schon verzweifelte E-Mails, weil sie nicht wissen, wie sie nächste Woche zur Arbeit kommen. Die Taxi-Fahrer müssen sich gerade eine goldene Nase verdienen.

Tina Bernstein

5:15 Uhr morgens starte ich meinen Streifzug durch das nächtliche Berlin um pünktlich in der Arbeit anzukommen. Gerade lese ich, dass es ab Montag im Falle eines Streiks einen S-Bahn-Notfahrplan geben soll. Jede Linie im 60-Minuten-Takt. Wie schön es ist, einen Arbeitgeber zu haben, der eine Mitfahrbörse ins Leben ruft. Heute fahre ich nach Nürnberg. Früher habe ich geschimpft, dass die Busse dort so selten fahren. Ab sofort freue ich mich darüber. Sie fahren wenigstens. So entkomme ich dem Streik bis Montag. Und dann heißt es vielleicht: Auf ein Neues - nur noch schlimmer.

2. Streik-Tag

Amir El-Ghussein

Heute passt das Wetter; es ist zwar kalt aber das geht schon. Auf dem Weg in die Redaktion fallen mir sehr viel Radfahrer auf, die wohl nicht sehr häufig in die Pedale treten - da muss man schon aufpassen. In der Redaktion ist die Stimmung fühlbar gereizt. Ich lese das Porträt über einen Busfahrer und habe mehr Verständnis für die Streikenden - der persönliche Ärger bleibt.

Tina Bernstein

Wie der erste - nur schneefrei. Trotzdem ist es bitterkalt und ich muss wieder weite Strecken zu Fuß zurücklegen. Diesmal ist es nicht der Weg zur Arbeit, sondern der Weg nach Hause, der mir zu schaffen macht. Bisher habe ich ja bei meinem Freund residiert. Der Weg, der mich normalerweise 20 Minuten kostet, dauert jetzt 50 Minuten. Andere trifft es sicher schlimmer, aber Verständnis bringe ich trotzdem nicht auf. Die Wut wächst. Vor allem über den Egoismus und die Arroganz, die die Lokführergewerkschaft an den Tag legt.

1. Streik-Tag


Amir El-Ghussein

Na, toll. Jetzt schneit's. Was ein Mist! An solchen Tagen fahr ich tatsächlich gerne mit dem Bus. Ich steig aufs Rad und die Eiskristalle peitschen mir ins Gesicht, ich kann kaum was sehen - die Tour wird zum Blindflug. Als ich ankomme, sehe ich aus wie ein Schneemann - die Verkäuferin beim Bäcker lacht herzhaft. Nach ein einer Stunde scheint die Sonne, es sieht so aus, als wäre das Dreckswetter nie da gewesen - das war perfektes Timing. Die Stimmung in der Redaktion ist gut. Wir haben keine Ausfälle zu beklagen, allerdings mussten einige auf ein Taxi zurückgreifen. Die Lokführer verkünden, dass sie sich der "besonderen Situation Berlins" bewusst seien. Vielleicht wird die S-Bahn am Montag ja nicht bestreikt - ein zartes Pflänzchen der Hoffnung keimt auf. Ich telefoniere mit BVG-Pressesprecherin Reetz, die die BVG als Opfer sieht. Sie spricht auch von "höherer Gewalt" - darunter verstehe ich irgendwie was anderes.

Tina Bernstein

Um besser in die Redaktion zu gelangen, niste ich mich bei meinem Freund ein. Der wohnt zwar viel weiter weg als ich, hat aber eine bessere S-Bahn-Anbindung. Als wäre der Streik nicht Ärger genug, liegt auch noch viel Schnee. Den ganzen Winter über fällt keine Flocke vom Himmel, aber heute. Angenervt von der Situation mache ich mich auf den Weg zur S-Bahn. Wo sonst frühmorgens immer ein Plätzchen frei ist, um wenigstens in Ruhe Zeitung zu lesen, ist heute alles überfüllt. Die Fahrgäste gucken unzufrieden aus der Wäsche und als ich das Chaos an der Friedrichstraße miterlebe, will ich am Liebsten umfallen - dann würde mich wenigstens ein Krankenwagen nehmen. Die Polizei regelt den Fußgängerverkehr(!) und alles ist verstopft. Angekommen in der Redaktion erfahre ich, dass den Lokführern der Deutschen Bahn auch grad wieder langweilig ist und ab Montag auch die S-Bahnen still stehen. Na toll! Schönen Dank! Jetzt fehlt nur noch eine Bitte um Verständnis.

Der Tag vor dem Streikbeginn


Amir El-Ghussein

Die Kollegen sind ein bisschen aufgeregt viele fragen sich, wie sie morgen zur Arbeit kommen. Aber die meisten sind optimistisch. Fahrgemeinschaften werden organisiert, Routen und Schleichwege für Auto und Fahrrad ausbaldowert. Dann am Nachmittag der Schock: Die GDL will am kommenden Montag auch noch streiken. Der Super-Gau droht - Berlin im Stillstand. Viele wissen dann gar nicht mehr, wie sie zur Arbeit kommen sollen. Bei mir herrscht Zuversicht ich hab ja mein Fahrrad.

Tina Bernstein
"Schon wieder Streik" war mein erster Gedanke, als ich von den Neuigkeiten gehört habe. Verständnis bringe ich dafür nicht auf. Ganz im Gegenteil, ich bin wütend. Als Studentin bin ich auf die BVG leider angewiesen, eine andere Möglichkeit habe ich nicht. Ich bin erst vor einigen Monaten nach Berlin gezogen, ohne Auto. Zum Glück fährt die S-Bahn noch.

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