Berlin : Die BVG will auch 2006 die Preise erhöhen

Verkehrsbetrieb fühlt sich an das Versprechen, Tarife unverändert zu lassen, nicht gebunden. Jetzt hat der neue Chef ein Problem

Klaus Kurpjuweit

Versprechen hin, Versprechen her: Die BVG will im nächsten Jahr unbedingt die Tarife erhöhen, und zwar unabhängig davon, wie sich die Treibstoffpreise entwickeln. Damit hat der gestern vom Aufsichtsrat bestellte neue BVG-Chef Andreas Sturmowski gleich ein Problem: Der Verkehrsbetrieb steht mit seinem Wunsch nach höheren Preisen nämlich im Widerspruch zum Senat, der angekündigt hat, die Preise im Jahr 2006 – in dem das Abgeordnetenhaus neu gewählt wird – stabil zu lassen. Zuletzt waren die Preise zum 1. August „angepasst“ worden.

Der verkehrspolitische Sprecher der SPD, Christian Gaebler, betont zwar, dass der Beschluss weiter gelte, doch die BVG fühlt sich daran nicht gebunden. Sie verweist auf den mit dem Senat abgeschlossenen Unternehmensvertrag, wonach die Einnahmen jährlich um rund drei Prozent zu steigern seien – durch Tariferhöhungen und mit mehr Fahrgästen.

Setzt sich die BVG durch, werden die Fahrgäste möglicherweise doppelt geschröpft. Nach Angaben von Tarifexperten waren die Erhöhungen zum 1. August dieses Jahres so kalkuliert, dass darin auch die ausfallende Steigerung von 2006 bereits enthalten war. Nur unter dieser Bedingung seien die hohen Preise überhaupt politisch durchsetzbar gewesen. Die Tarife waren im August um durchschnittlich 3,8 Prozent gestiegen, wobei vor allem die Preise von Monats- und Jahreskarten geklettert waren. Würden die Preise aber auch im nächsten Jahr steigen, verdienten die Verkehrsbetriebe doppelt.

Dem widerspricht der Marketing-Chef der BVG, Tom Reinhold, vehement. Er habe die Tarife selbst kalkuliert und habe nie einen Ausfallsatz für 2006 eingerechnet. Reinhold will kontinuierlich, Jahr für Jahr, „moderate Preissteigerungen“. Bei einem Verzicht ließe sich der Wirtschaftsplan der BVG nicht erfüllen.

Die Zusage, auf eine Tariferhöhung im Wahljahr zu verzichten, hat nach Tagesspiegel-Informationen der damalige BVG-Chef Andreas von Arnim gegeben. Er ist am 30. März gestorben. Jetzt will man bei der BVG von diesem Versprechen jedenfalls nichts mehr wissen.

Im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), zu dem 44 Verkehrsbetriebe gehören, stieß der Vorstoß der BVG auf großes Wohlwollen. Die meisten Brandenburger Unternehmen wollen bei einer Preiserhöhung mitziehen. Bedeckt hält sich bisher die S-Bahn. Sie verweist darauf, dass die Preise vom VBB festgelegt werden. Ein Arbeitskreis im VBB wird sich jetzt jedenfalls mit dem Wunsch der BVG nach höheren Preisen beschäftigen. „Mit Tariferhöhungen müssen wir vorsichtig umgehen“, sagt dagegen VBB-Chef Hans-Werner Franz. Bei einigen Preisen liege Berlin bereits „weit vorn“. Zudem müsse man jetzt die Chance nutzen, die der Nahverkehr durch die hohen Spritpreise erhalten habe. Umsteigewillige Autofahrer durch höhere Preise abzuschrecken, sei der falsche Weg.

Höhere Einnahmen ohne Tariferhöhungen gebe es für die BVG und die S-Bahn auch durch die Besucher, die nächstes Jahr zur Fußball-Weltmeisterschaft kommen. Doch auch hier kontert Reinhold: „Diese Zusatzeinnahmen sind bereits in der Kalkulation enthalten.“

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