• Die CDU tritt mit den meisten jüngeren Abgeordneten an, doch auch die PDS hat nicht auf Altkader zurückgegriffen

Berlin : Die CDU tritt mit den meisten jüngeren Abgeordneten an, doch auch die PDS hat nicht auf Altkader zurückgegriffen

Silke Edler

Gegen die CDU sehen die Sozialdemokraten ganz schön alt aus. Nicht nur das niederschmetternde Wahlergebnis hat so manchem SPD-Politiker die Kummerfalten ins Gesicht getrieben. Auch junge Nachwuchs-Parlamentarier sucht man bei der SPD vergebens. Unterdessen startet die CDU mit acht Abgeordneten unter 30 Jahren in die neue Legislaturperiode. Weitere vierzehn Parlamentarier sind noch keine 40. "Das ist ein großer Schritt nach vorne", freut sich der CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus-Rüdiger Landowsky. Mit den unter 30-Jährigen sei eine Generation im Kommen, die die Teilung Deutschlands kaum bewusst mitbekommen habe. "Das ist genau die richtige Generation für den Aufbruch in ein neues Jahrhundert", schwärmt Landowsky. Bedenken, dass Nachwuchs-Abgeordnete wie der 24-jährige Mario Czaja oder der 21-jährige Christian Gräff zu jung für die Politik sein könnten, hat Landowsky nicht. "Wenn jemand sein eigenes Leben verantwortungsvoll regeln kann, kann er auch Politik machen", sagt der Fraktionschef.

Die beiden Jüngsten in der Fraktion, Czaja und Gräff, sehen das ähnlich. "Was hat das Alter mit der politischen Arbeit zu tun?", fragt Mario Czaja. In der BVV Hellersdorf, wo er bisher saß, habe es doch auch keine Schwierigkeiten gegeben. Auch Christian Gräff, bisher noch ohne Mandat und somit ein echter Neuling auf dem parlamentarischen Parkett, sieht das ähnlich. "Wer gute Arbeit leistet, wird auch akzeptiert", sagt er.

Diese Überzeugung teilen die beiden Christdemokraten mit den jungen Abgeordneten anderer Fraktionen. "Wenn wir ernsthaft politisch arbeitet, haben auch alte Hasen im Parlament kein Problem, uns zu akzeptieren", haben der 28-jährige Steffen Zillich, Stefan Liebich, 26 Jahre jung und Benjamin-Immanuel Hoff - mit 23 Jahren jüngster PDS-Abgeordneter - schon in der vergangenen Legislaturperiode begriffen. So hatten die drei bisher keine Probleme mit älteren Parlamentariern. "Ein CDU-Politiker rief bei einer Sitzung einmal dazwischen, wer mir denn die Rede geschrieben habe", erinnert Liebich sich. Dabei sei es aber auch geblieben. Auch Benjamin-Immanuel Hoff, der 1994 mit 18 Jahren ins Abgeordnetenhaus zog, weiß, wie wichtig die eigene Arbeit ist, um ernstgenommen zu werden. "Ich habe immer solide gearbeitet und was ich an Lebenserfahrung noch nicht haben kann, mache ich durch praxisnahe parlamentarische Arbeit wieder wett." Neu im jungen PDS-Bunde ist Evrim Baba. Angst, dass sie mit 28 Jahren zu jung für ihr erstes Mandat sein könnte, hat die Dolmetscherin nicht. "Das Parlament braucht junge, intelligente Menschen, nur so kann etwas bewegt werden", ist sie überzeugt.

Mit derart jungen Abgeordneten kann die SPD nicht auftrumpfen. Michael Müller gehört neben Christian Gaebler mit 35 Jahren zu den jüngsten sozialdemokratischen Abgeordneten. "Man muss eine Menge lernen um sich in der Politik zurechtzufinden", erinnert Müller sich an seine erste Zeit im Abgeordnetenhaus vor vier Jahren. Ob Abgeordnete mit Anfang Zwanzig dies schaffen, bezweifelt er. "Politische Erfahrung und viel Unterstützung von der Fraktion sind da ganz wichtig", räumt Müller ein. Ausreichend Erfahrung bringt der bündnisgrüne Özcan Mutlu mit ins Abgeordnetenhaus. "Ich glaube nicht, dass mein Alter eine Rolle spielt. Außerdem hat man in der Opposition andere Probleme, als darüber nachzudenken", sagt der 31-jährige, der nach sieben Jahren in der BVV Kreuzberg ins Abgeordnetenhaus wechselt. Fotos: Promo

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