Berlin : Die CDU verliert kräftig

Nach Äußerungen von Schönbohm und Stoiber wird SPD stärkste Kraft in der Hauptstadtregion

Michael Mara

Kein Zweifel: Mit ihren Äußerungen über Ostdeutsche haben Jörg Schönbohm (CDU) und Edmund Stoiber (CSU) der Union in der Hauptstadtregion deutlich geschadet. Nach der aktuellen Umfrage von Infratest-dimap hat die Union in Berlin im Vergleich zum Monat Juni sieben und in Brandenburg sogar zwölf Prozentpunkte verloren. Die Sozialdemokraten profitieren davon: Gäbe es ein gemeinsames Land Berlin-Brandenburg, würde die SPD bei der Bundestagswahl am 18. September in der Region mit Abstand stärkste Partei. Sie könnte mit 33 Prozent der Stimmen der Berliner und Brandenburger rechnen. CDU und PDS müssten sich weit abgeschlagen mit 24 beziehungsweise 23 Prozent begnügen. Die Grünen kämen auf zehn, die FDP auf sieben Prozent.

Noch viel dramatischer für die Union sind die Umfrage-Ergebnisse von Infratest-dimap nur für Brandenburg: Die von Ministerpräsident Platzeck geführte SPD liegt hier mit 39 Prozent um Längen vorn – bundesweit ist das der Spitzenwert für die Sozialdemokraten. Die Linkspartei/PDS käme deutlich abgeschlagen mit 28 Prozent auf den zweiten Platz, die CDU unter Landeschef Jörg Schönbohm gerade mal auf 21 Prozent, das ist weniger als bei der Bundestagswahl 2002 (22,3 Prozent). Gegenüber der Umfrage vom Juni, nach der die Union mit 33 Prozent noch stärkste Kraft geworden wäre, ist das ein politischer Erdrutsch. Er zeigt sich auch auf der Beliebtheitsskala der Brandenburger Politiker, wo CDU-Chef Schönbohm auf die Note 4,2 (Juni 3,1) abstürzte – den bislang schlechtesten Wert eines Landespolitikers. Beliebtester Politiker ist Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) mit einer Note von 2,4.

Schönbohm sagte zu dem schlechten Abschneiden gegenüber dem Tagesspiegel, es sei eine Momentaufnahme und überrasche ihn nicht. Die Umfrage sei zu einem Zeitpunkt gemacht worden, als die Emotionen wegen seiner Proletarisierungs-These besonders hochgeschlagen seien. Hinzu gekommen sei die Empörung über Stoibers Äußerungen über den Osten. Er sei jedoch überzeugt, so Schönbohm, dass die märkische CDU in den nächsten Wochen durch einen geschlossenen und guten Wahlkampf das Wahlziel von 25 plus X noch erreichen könne. Zu möglichen persönlichen Konsequenzen nach einer eventuellen Wahlniederlage sagte Schönbohm: „Das Wahlergebnis werden wir gemeinsam am 18. September abends bewerten.“

SPD-Landesgeschäftsführer Klaus Ness sagte, dass die Äußerungen von Schönbohm und Stoiber die Stimmung der Wähler zugunsten der SPD beeinflusst hätten. Er zweifle nicht, dass die Union die Wahl im Osten bereits verloren habe. Von der ursprünglichen Merkel-Euphorie sei nichts mehr zu spüren. PDS-Chef Thomas Nord zeigte sich mit dem Ergebnis der PDS „sehr zufrieden“. Dass die SPD deutlich vor der Linkspartei liegt, führte er „auf Matthias Platzeck und seine Rolle als Stimme des Ostens“ zurück. Außerdem tue Schönbohm alles, um die SPD zu stärken.

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