Berlin : Die Charité bestraft die Konkurrenz

Uniklinik entzieht Vivantes einen werbeträchtigen Titel

Ingo Bach

Die Charité funktioniert die Ausbildung von Medizinstudenten auch zu einem Marketinginstrument um. Dazu nutzt sie den Titel „Akademisches Lehrkrankenhaus“, den sie an Kliniken vergibt, in denen die werdenden Ärzte nach dem Studium ein Praktisches Jahr absolvieren. Den werbeträchtigen Titel möchte die Charité jetzt für die Häuser reservieren, die sich kooperationswillig zeigen, sprich Patienten mit der Universitätsklinik teilen – ein Maßstab, den Vivantes, der Zusammenschluss von neun ehemals städtischen Krankenhäusern, offenbar nicht mehr erfüllt. Denn die Charité hat die entsprechenden Verträge jetzt gekündigt.

Offizielle Begründung: „Wir haben zu viele Plätze für das Praktische Jahr der Studenten“, sagt Charité-Dekan Joachim W. Dudenhausen. Und fügt dann hinzu: „Außerdem behandelt Vivantes seine Patienten lieber allein, statt die schwierigen Fälle an uns zu überweisen.“ Besonders übel stieß den Charité-Oberen auf, dass Vivantes-Chef Wolfgang Schäfer sein Unternehmen vor einem Jahr als Berliner Standort für Forschung und Lehre ins Spiel brachte, klassische Domänen der Universitäten. Man empfand Vivantes nicht mehr als Partner, sondern als Konkurrenten. Und den will man nicht noch belohnen. Der Titel „Akademisches Lehrkrankenhaus“ ist so renommeeträchtig, weil diese Häuser medizinische Mindeststandards erfüllen müssen, wie zum Beispiel habilitierte Mediziner, also Professoren und Privatdozenten, eigene Bibliotheken und eine Mindestzahl von chirurgischen Betten. Die Charité hat in Berlin und Brandenburg 36 akademische Lehrkrankenhäuser unter Vertrag, weitere 20 haben sich um den Titel beworben.

Für die Senatsgesundheitsverwaltung ist der Schritt nicht nachvollziehbar: „Vivantes hat mit öffentlichem Geld Ausbildungskapazitäten geschaffen, die sollte die Charité auch nutzen“, sagt Behördensprecherin Roswitha Steinbrenner.

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