• Die Charité will ein Verfahren entwickeln, das auch bei fortgeschrittener Erkrankung hilft

Berlin : Die Charité will ein Verfahren entwickeln, das auch bei fortgeschrittener Erkrankung hilft

Ein Expertenteam für Schlaganfallforschung nimmt an der Charité am Freitag offiziell seine Arbeit auf. Die Wissenschaftler der Klinik für Neurologie wollen neue Therapien entwickeln, die auch zu einem späteren Zeitpunkt der Erkrankung noch helfen, wie die Charité mitteilte. Bisher kommt als wirksame Behandlungsmethode nur die Gabe eines Medikaments in Frage, das die Auflösung von Gerinnseln bewirken kann. Dies muss allerdings innerhalb von drei Stunden nach dem Infarkt verabreicht werden. In Deutschland erleiden nach der Medizinstatistik jährlich mehr als 200 000 Menschen einen Schlaganfall. Parallel zum Herzinfarkt wird er auch Hirninfarkt genannt.

Für den Aufbau der "Abteilung für Experimentelle Neurologie" an der Charité hat die Hermann-und-Lilly-Stiftung für medizinische Forschung acht Millionen DM für die nächsten zwei Jahre zur Verfügung gestellt. Zum Leiter der neuen Abteilung wurde Ulrich Dirnagl berufen. Der 39-jährige Oberarzt ist seit Juni Inhaber des Stiftungslehrstuhls für Neurowissenschaften an der Humboldt-Universität.

Neue Forschungsergebnisse der Arbeitsgruppe lassen Therapien erwarten, die auch zu einem späteren Zeitpunkt der Erkrankung noch wirksam werden. Dirnagl hat unter anderem erkannt, dass bei einem Schlaganfall um das verschlossene Gefäß herum eine Entzündung auftritt, in deren Folge das Gehirn weiter geschädigt wird. Diese Entzündung kann nach Erkenntnissen des Wissenschaftlers, wie die Universität mitteilte

auch noch Stunden nach ihrem Beginn erfolgreich bekämpft werden.

Die bisher nur am Tier erhobenen Befunde sollen jetzt auch am Menschen erhärtet und dann in die klinische Praxis umgesetzt werden.

Das Expertenteam konnte zudem zeigen, dass es am Randgebiet der vom Schlaganfall betroffenen Hirnregion zum Zelluntergang kommt, der noch tagelang fortschreitet. Dieser Prozess kann offenbar durch den Einsatz Gewebe schützender Medikamente verzögert werden und zwar auch noch viele Stunden nach dem Gefäßverschluss.

Dirnagl erwartet, dass die bisher am Tier verwendeten Substanzen in Kürze auch in der Medizin am Menschen eingesetzt werden können.

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