Berlin : Die Chemie stimmt

Katharina Scholze nimmt an der dritten Runde der Chemie-Olympiade teil. Auch ihr Bruder ist schon Olympiade-Sieger - in Mathe

Hanna Engelmeier

Katharina Scholze ist noch ganz gelassen. Doch das wird sich bald ändern: Katharina ist auf der Straße des Erfolges ein ganzes Stück vorangekommen und will den Sieg nicht noch auf der vorletzten Etappe vermasseln. Die 19-Jährige hat sich als eine von insgesamt 60 Schülerinnen und Schülern aus ganz Deutschland für die dritte von vier Runden der Chemie-Olympiade qualifiziert, die jetzt in Köln begann. Und die Qualifikationsaufgaben hatten es in sich: So mussten die Teilnehmer zum Beispiel mit Hilfe von Experimenten die Substanzen in acht nicht etikettierten Flaschen bestimmen – und das, obwohl auch noch der bereits fast abgeschlossene Analysezettel von Säure zerfressen war.

Das war vor Wochen. Nun erzählt Katharina Scholze bei einem Kaffee von ihren Anfängen als Nachwuchs-Chemikerin. Sie war nicht immer eine begeisterte Anhängerin von Säuren und Basen, Petrischalen und Erlenmeyerkolben. „Am Anfang sind alle meine Experimente missglückt und ich war ziemlich frustriert“, erinnert sie sich an die achte Klasse. Doch dann wurde die Welt der Elemente und Moleküle zu ihrer Welt, in der sie sich inzwischen perfekt zurechtfindet. Denn ihre Schule, das Heinrich Hertz Gymnasium in Friedrichshain, hat einen naturwissenschaftlichen Schwerpunkt und so fand Katharina viele Gelegenheiten, den Spaß an der Chemie zu entdecken.

Doch die Altglienickerin hat noch einen Vorteil: ihre Familie. Ihr zwei Jahre jüngerer Bruder jongliert mit Zahlen statt Atomen. Auch er lernt am Hertz-Gymnasium. Im vergangenen Jahr wurde er Bundessieger bei der Mathe-Olympiade. Die Mutter ist Informatikerin, der Vater Physiker.

Mit solch genetischen „Altlasten“ lässt es sich entspannt auf die kommenden Herausforderungen warten. Auch wenn vor der ersten Klausur am Dienstag Katharinas Aufregung steigen wird. Der Klausur folgt eine Arbeit am Freitag. Geschenkt wird den Teilnehmern dabei nichts. Schließlich ist die Chemie-Olympiade ein internationaler Wettbewerb. Und wer die vierte internationale Runde im April in Kiel erreicht – nur vier deutsche Teilnehmer werden darunter sein –, hat nicht nur Aussicht auf Geldpreise, sondern nimmt auch am Stipendiaten-Auswahlverfahren teil, das die Studienstiftung des Deutschen Volkes ausschreibt.

Katharina erzählt von Chemie mit einem Eifer, den man wohl erwarten würde, wenn es um Lieblingsbands oder Filme geht. Die Schülerin hingegen findet ihr etwas spezielles Hobby nicht so außergewöhnlich. Bescheiden, aber bestimmt sagt sie: „Ich löse einfach gerne Aufgaben.“

Und dazu wird sie in Köln ausgiebig Gelegenheit haben. Eine Woche lang Vorträge, Gruppenarbeiten und die fünfstündigen Klausuren. Aber sie will auch die anderen Teilnehmer besser kennen lernen. Katharina schaut grinsend zur Seite und lässt ahnen, dass dabei die Chemie eher selten im Vordergrund stehen wird. Sie freut sich auf das Einkaufen, Ausgehen und Gespräche mit den gleichaltrigen Teilnehmern – eben doch ein ganz normale Teenager.

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